Die Jobs der Zukunft.

Peter v. d. Touw
8.5.2015
in
Trends

Weber, Köhler, Lederer: Diese Berufe sind seit der Industrialisierung nur noch als Nachnamen geläufig. Auch die digitale Revolution wird viele Jobs vernichten – und neue Berufsbilder schaffen.

Die Industrialisierung hat viele neue Jobs in den Fabriken und die Computerisierung neue Berufe wie Programmierer oder Webdesigner geschaffen. Welche Berufsbilder wird nun die Digitalisierung in den nächsten Jahren und Jahrzehnten hervorbringen? Die Trendforscher von Fast–Future haben eine Reihe von Jobprofilen definiert, die in den kommenden zwei Jahrzehnten entstehen könnten. Hier eine kleine Auswahl:

Telechirurgin.

Eine Chirurgin operiert in Zürich einen Schweizer Patienten, der in Kuba auf einem Spitalbett liegt – die Telechirurgie macht es möglich. Die Mediziner nutzen dazu eine Kombination aus Roboterwerkzeugen, Scanning– und Sensortechnologien sowie Highspeed–Netzwerken. Erste Versuche gab es bereits.

Abfalldesigner.

Der Abfalldesigner perfektioniert die Kunst des sogenannten Upcyclings, bei dem Abfallprodukte zu neuen, hochwertigeren Produkten umgewandelt werden. Ausserdem leistet er Innovationsarbeit hinsichtlich einer möglichst abfallfreien Herstellung von neuen Produkten.

Digitale Bestatterin.

Mit dem Tod eines Menschen stirbt auch dessen digitale Persönlichkeit. Digitale Bestatter kümmern sich um das Onlineerbe eines Verstorbenen. In den USA ist diese Branche bereits am Entstehen; in der Schweiz gibt es noch keine Anbieter.

Auch wenn die digitale Revolution neue Berufe und Chancen mit sich bringt, bleibt doch die grosse Frage: Gehen mit der Digitalisierung mehr Stellen verloren, als geschaffen werden? Oder nimmt die Beschäftigung gar zu? Eine Antwort darauf suchten Andrew McAfee und Erik Brynjolfsson,  angesehene Ökonomen und Direktoren am Center for Digital Business des Massachusetts Institute for Technology (MIT). „Je genauer wir uns das Datenmaterial anschauten, desto klarer wurde, dass der technische Fortschritt trotz vieler positiver volkswissenschaftlicher Effekte grosse Gefahren birgt“, sagt McAfee. Sie kamen in ihrem Buch „The Second Machine Age“ zu dem Schluss, dass die digitale Revolution Jobs schneller vernichte, als sie neue schaffe.

Der Fortschritt hebt ab.

Der Hauptgrund hierfür liegt in der Schnelligkeit, mit der die Digitalisierung voranschreitet: Maschinen können immer schneller immer mehr – und der Mensch hat das Nachsehen. Schon heute scannen wir unsere Einkäufe am Self–Checkout, am Flughafen nutzen wir den Automaten Check–in und unsere Reisen buchen wir im Internet. McAfee ist der Meinung, dass dies nur ein Vorgeschmack sei auf das, was uns in rund zehn Jahren erwarte. Früher haben sich technologische Veränderungen über Jahrzehnte hingezogen, in den letzten Jahren jedoch hat sich der Fortschritt rasant beschleunigt. Das Mooresche Gesetz besagt, dass sich die Leistungskraft von Computerchips rund alle zwei Jahre verdoppelt – und somit die Sprünge immer grösser werden. Schon heute hat ein Smartphone mehr Rechenkraft als ein leistungsstarker PC vor knapp zehn Jahren.

McAffe ist sicher: „Die Liste der Tätigkeiten, in denen Menschen besser als Maschinen sind, sinkt rasant.“ Mit dieser Entwicklung einher geht ein weiteres Problem: Die Komplexität der Jobs wird steigen – und somit die Kluft zwischen der Elite und denjenigen, die „Bullshit–Jobs“ ausführen. Der Schweizer Dr. Joël Luc Cachelin, Geschäftsführer der Wissensfabrik, erachtet es daher als zunehmend wichtig, beruflich flexibel zu bleiben und dabei dennoch die Orientierung nicht zu verlieren. Kinder, so der Ökonom und Unternehmensberater, sollten möglichst früh lernen, wie man programmiert: „Programmieren ist das neue Latein.“

Als „Das Beste, was der Menschheit je widerfahren ist“, bezeichnete der ehemalige Harvard–Präsident und Chefökonom der Weltbank Larry Summers die Ablösung von der Agrar– durch die Industriegesellschaft. Vielleicht wird in 100 oder 200 Jahren auch die digitale Revolution als Segen für die Menschheit beurteilt. Vielleicht aber auch nicht.

Quellen:

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