Digitale Transformation – ein Besuch im Silicon Valley.

Peter v. d. Touw
3.6.2016
in
Trends

Notch Interactive CEO Peter van der Touw war im Rahmen eines Executive MBA mit der Pilotklasse Digital Transformation der FHGR (eh. HTW Chur) dort – und hat die neusten Zahlen und Entwicklungen mitgebracht.

Palo Alto gilt als Geburtsort des Silicon Valley. Hier wurde 1939 in einer Garage das erste HP-Produkt entwickelt. «Die Garage sieht immer noch so aus wie damals», so Peter van der Touw, «nur ist das Tor jetzt grün.» Heute leben im Silicon Valley auf einer Fläche von 2100 Quadratkilometern drei Millionen Einwohner – rund 40 Prozent davon sind Ausländer. «Erfinder und Genies aus der ganzen Welt kommen hier zusammen, um ihr Projekt voranzutreiben und einen Investor zu finden», erzählt Peter van der Touw . Tatsächlich werden nirgendwo sonst so viele Firmen gegründet, wird so viel in Start-ups investiert, scheitern so viele Versuche. «Fail fast, fail cheap» lautet daher auch das Motto im Silicon Valley: Scheitern wird als Learning für das nächste Start-up betrachtet. Doch nicht nur der Umgang mit gescheiterten Projekten ist viel offener und transparenter. Auch die Zusammenarbeit basiert tatsächlich auf gegenseitigem Austausch statt Konkurrenz, interaktive Zusammenarbeit und Vermittlung ersetzen Rivalitätskämpfe.

Schweizer Unternehmen im Silicon Valley.

Diese Atmosphäre wissen auch einige Schweizer Unternehmen zu schätzen. So ist Swisscom mit einem Outpost bereits seit 1998 vor Ort im Silicon Valley und treibt Innovationen voran. Im Herbst letzten Jahres etwa investierte Swisscom in die Start-ups Ava und Crowd. Sie gehören gemeinsam mit Archilogic, Gamaya und Monetas zu den Gewinnern der dritten Swisscom Start-up Challenge und haben ein einwöchiges Mentorenprogramm im Silicon Valley absolviert. Ava hat ein smartes Armband entwickelt, das Paaren bei der Planung einer Schwangerschaft hilft. Der Eisprung kann zuverlässig vorausgesagt werden, eine Handy-App zeigt die fruchtbaren Tage diskret an. Ava hat sich letzten Herbst bereits auf den Markteintritt in den USA vorbereitet und ein Büro in San Francisco eröffnet. Swisscom investiert als Teil einer Seed-Runde zusammen mit der Zürcher Kantonalbank ZKB und verschiedenen Business Angels rund zwei Millionen Franken. Neben der inspirierenden Atmosphäre haben van der Touw im Silicon Valley einige Innovationen besonders beeindruckt.

Autodesk.

Autodesk ist ein kalifornisches Software-Unternehmen für digitales 2D- und 3D-Design. Anhand eines effektiven Projekts zeigen sie, wie künstliche Intelligenz eingesetzt wird. Auftrag ist es, mit diversen Parametern ein neues Rennvelo zu gestalten. Aufgrund der Daten im System schlagen die Algorithmen in einem eingeschränkten Spielfeld automatisch diverse Modelle vor. «Im sogenannten Deep-learning-Verfahren fängt das System so an, selbstständig zu lernen», so van der Touw. So kommen die neuen Ideen der Modelle vom System – auf Basis der eingegebenen Vorgaben. Das gleiche Prinzip funktioniert auch für Gebäude. Sobald das System mit den nötigen architektonischen Daten gefüttert wurde, schlägt es selbstständig diverse Modelle vor – und druckt sie mit Hilfe von 3D-Technik aus.

Internet of Things.

Auch das Internet of Things ist gemäss van der Touw ein grosses Thema im Silicon Valley. So werden etwa Apps entwickelt, die Pollenbestand sowie Medikamentenbezug und weitere Daten sammeln. Dank diesen Daten kann sich ein Allergiker einen Überblick über den aktuellen Pollenbestand in verschiedenen Regionen machen, bevor er selber vor Ort ist. Ein Inhalator findet via GPS diejenigen Zonen in der Region, wo am meisten Asthma-Attacken festgestellt wurden.
Nach demselben Prinzip funktionieren landwirtschaftliche Sensoren, die Auskunft geben über Erntestand, Wasserbeschaffenheit und Temperatur auf Feldern von diversen Grössen. Über eine Cloud können Daten geteilt und eingesehen werden. «Insbesondere für die interne Kommunikation von Unternehmen sind solche Innovationen von Vorteil», sagt van der Touw. So kann ein Bauherr etwa via App Beekeeper die Mitarbeiter aller Baustellen mit News versorgen – eine App oder ein Armband ist hierbei sehr praktisch.

Die grössten Fehler bei missglückten Start-ups sind gemäss Peter van der Touw:

  • Einzelgründer: Mindestens zwei Personen müssen beim Start eines Projektes dabei sein, ein technischer und ein wirtschaftlich orientierter Gründer.
  • Schlechter Standort: Venture Capitalists wollen nicht mehr als eine Stunde fahren, um das Start-up zu besuchen. Ein Schweizer Start-up, das eine Kapitalbeschaffung im Silicon Valley plant, muss zwingend dort vor Ort sein.
  • Diversifizierung statt Fokus.
  • Prämodern: Es ist wenig sinnvoll, ein Produkt zu gestalten, das der mentalen und technischen Grundhaltung der Gesellschaft zu weit voraus ist.
  • Schlechte Kalkulation der finanziellen Mittel: Die Gelder müssen wirklich ins Produkt fliessen.
  • Nach dem ersten Fail bereits aufzugeben.

Auch wenn Peter van der Touw von vielen Ideen begeistert war, hat er doch kein «Souvenir» aus dem Silicon Valley mit in die Schweiz gebracht. Dafür aber jede Menge bleibender Eindrücke und Inspirationen für die digitale Zukunft.

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