Hausroboter – nur Trend oder ernstzunehmende Zukunft?

Fabienne Baumgartner
26.3.2018
in
Trends

Öffnet nicht nur Türen, sondern auch gleich Welten voller neuer Möglichkeiten: der Hausroboter. Aber Hausroboter ist nicht gleich Hausroboter – die Unterschiede in Aussehen und Funktion sind gravierend.

Es ist schon lange ein Traum der Menschheit, dass Roboter einem den Tag wesentlich angenehmer machen, indem sie alle lästigen Arbeiten im und ums Haus herum erledigen und uns somit mehr Freiheit und Freizeit ermöglichen. Natürlich hat auch hier wieder Hollywood seine Finger im Spiel und brachte in den letzten gut 30 Jahren verstärkt entsprechende Blockbuster in die Kinos, die uns auch die Angst gegenüber den Robotern nehmen sollen. Der 200 Jahre Mann, die Star Wars Saga und I, Robot, um nur ein paar der bekanntesten zu nennen. Dort findet man eine breite Palette von hilfreichen Maschinen in teils menschenähnlicher Statur, welche die Menschen in den unterschiedlichsten Bereichen des Lebens unterstützen.

Aber diese Roboter aus Metall und Öl können noch so gut aussehen, wie sie wollen, keiner ist so cool wie Jarvis, der Hausroboter von Toni Stark aus dem Marvel Universum. Jarvis konstruiert, baut und lackiert nicht nur den Iron Man Anzug, überwacht ihn überall auf der Welt und springt Tony Stark in jeder Situation hilfreich zur Seite. Darüber hinaus ist Jarvis auch noch witzig, schlagfertig, humorvoll, höflich, empathisch und sympathisch. Kurz: einfach ein Buddy, mit dem man gerne abhängen oder um Häuser ziehen möchte. Das Faszinierende daran: Jarvis ist ein virtueller Hausroboter, der nur über eine Stimme verfügt, aber keinen Körper hat. Schöne wunderbare Kinowelt.

Zuckerberg hat jetzt auch seinen Jarvis.

Nun scheint es aber so, dass Jarvis von der Leinwand tatsächlich in unsere Wohnzimmer einziehen könnte. Wenn auch noch nicht sofort in die vier Wände von jedermann. Aber zumindest schon mal in die des Facebook-Gründers Mark Zuckerberg. Denn auch Zuckerberg ist ganz fasziniert von den Fähigkeiten des Film-Jarvis, weshalb er jetzt in seiner Freizeit seinen ganz eignen Jarvis entwickelt hat. Der verfügt zwar noch nicht über alle Fähigkeiten des Film-Jarvis, aber der Zuckerberg-Jarvis kann Heizung, Licht sowie Musik ein- und ausschalten sowie die Haustür öffnen, wenn Freunde klingeln, den Toaster anstellen und das Töchterchen Max unterhalten. Ob dieser Hausroboter weiter verbessert in Serie gehen wird oder nur ein Versuchsballon bleibt, werden die Zukunft und der Geschäftssinn von Mark Zuckerberg zeigen.


Pepper – der Roboter fürs Geschäft und Eigenheim.

Deutlich konkreter und somit auch erlebbarer ist ein Roboter, der eine Grösse von 1.20 Meter erreicht, auf Rollen unterwegs ist und auf den Namen Pepper hört. Er wurde vom Waadtländer Lebensmittel Riese Nestlé in einem Elektronikgeschäft in Tokio eingesetzt. Dort sollte er Kaffeemaschinen für Nestlé verkaufen. Dies machte und macht er immer noch, indem er interaktiv mit den Kunden kommuniziert und ihnen Erläuterungen zu den unterschiedlichen Kaffeemaschinen gibt. Auf Pepper sollten weitere 999 Artgenossen folgen und in weiteren grossen Supermärkten und Geschäften die Kunden im Verkaufsgespräch überzeugen. Ob die Roboter auch ausserhalb von Japan zum Einsatz kommen werden, ist noch nicht klar.

Klar hingegen ist, dass Pepper uns Menschen nicht nur auf kommerzieller Ebene unterstützen soll. Seine Schöpfer, die französische Firma Aldebaran und deren japanisches Mutterhaus, das Telekommunikationsunternehmen Soft Bank, planen einen Verkauf auch an ein breites Publikum. Und das zu einem noch recht erschwinglichen Preis von ca. 1'610 Schweizer Franken plus monatliche Gebühren2. Es ist anzunehmen, dass der Preis nach unten gehen wird, sobald Akzeptanz und Nachfrage steigen. Dass es auch günstiger geht, zeigt ein anderer Hausroboter.

Kuri – ein Hausroboter zum Knuddeln.

Mit einem Preis von 699 US Dollar und ohne Gebühren hält Kuri Ende 2017 oder Anfang 2018 Einzug in die US-Amerikanischen Haushalte – aber erst nur dort. Kuri war der Star der CES 2017 und erinnert ein wenig an einen Pinguin. Mit einer Grösse von ca. 50 cm und der schwarz-weissen Hülle ist das auch nicht weiter verwunderlich. Entwickelt wurde Kuri vom Bosch-Unternehmen Mayfield Robotics. Er gehorcht auf Sprachbefehle und kann dabei beispielsweise Musik abspielen oder Filme aufnehmen. Darüber hinaus soll er auf Zuruf auch Smart-Home-Geräte abspielen können. Seine Fähigkeiten verdankt er seiner künstlichen Intelligenz und verschiedener Sensoren. In Verbindung mit seinem Kameraauge kann sich Kuri problemlos auf seinen Rollen durch die Wohnung navigieren und dabei Menschen erkennen sowie bekannte Gesichter identifizieren und Menschen von Haustieren unterscheiden. Und dank eines Sensors erkennt der Kleine auch, ob er gestreichelt wird.  Darüber hinaus kann Kuri blinzeln, lächeln und seinen Kopf bewegen. Dank einer Leuchte im Körper kann er sogar über wechselnde Farben Gefühle darstellen. Und neigt sich sein Akku dem Ende, fährt er selbstständig zur Ladestation.

Auch LG stellte auf der CES 2017 einen Hausroboter vor, der mit seinen Kulleraugen und seinem Gesicht an den Roboter EVE aus WALL·E erinnert. Sein Name: Hub Robot. Auch er versteht gesprochene Befehle, spielt auf Wunsch Musik und beantwortet einfache Fragen mit einem Nicken. Aber in erster Linie kommt er als Schaltzentrale für unterschiedliche Haushaltsgeräte zum Einsatz. Grundlage dafür ist die künstliche Intelligenz Alexa von Amazon. Hier wird es interessant sein zu beobachten, wie Hub Robot beim breiten Publikum ankommt und welche Entwicklung er noch nehmen wird.

Erst mieten, dann kaufen: Roboter Verleih.

Wer sich nun für Roboter interessiert, aber nicht weiss, ob und wie er mit ihnen klar kommt, der kann sich einen Roboter erst mal mieten. Möglich macht dies das Unternehmen Roboter Verleih. Schliesslich sind wir von vielen Filmen und Büchern beeinflusst und haben auch entsprechende Erwartungen an Roboter. Damit wir keine zu grosse Enttäuschung erleben und damit wir uns an die neue Art des Zusammenlebens gewöhnen können, bevor wir viel Geld ausgeben. Dabei hat Roboter Verleih die unterschiedlichsten Roboter im Programm, die für verschiedene Aufgaben ausgelegt sind. Das soll die Hemmschwelle gegenüber dieser neuen Technologie herabsetzen – einerseits. Und andererseits Ängste nehmen, dass die Maschinen die Herrschaft an sich reissen und uns Menschen unterjochen.

Die Zukunft der Hausroboter? Ein friedvolles Miteinander.

Aber wen man ehrlich ist: Das haben sie bereits. Wenn auch in einem anderen Ausmass als uns diverse Hollywood Blockbuster bisher vor Augen geführt haben. Das verdanken wir der rasanten Entwicklung der  künstlichen Intelligenz (KI) in den letzten Jahren. Doch auch wenn der Hausroboter von Mark Zuckerberg viel Neues möglich macht und dadurch ein weiterer Durchbruch bei der KI in greifbare Nähe rückt, so zeigt der Zuckerberg-Jarvis auch gewisse Grenzen der KI auf. Computer und Maschinen werden zwar immer besser im Herauslesen von gewissen Mustern, die sie dann auch entsprechend anwenden und umsetzen können. Doch noch ist es für sie nahezu unmöglich, neue Dinge von alleine aus zu tun. Oder neue Fähigkeiten von alleine zu entwickeln.

Das heisst, dass wir uns noch ein paar Jahre lang mit Rasen- und Saugrobotern im Haushalt begnügen müssen. Auch wenn nun Service-Roboter zur Unterstützung von älteren oder behinderten Menschen mehr und mehr das Angebot an Hausrobotern erweitern. Auf einen Jarvis wie aus Iron Man müssen wir dann halt noch ein bisschen warten. Hoffen wir mal, dass das Warten nicht allzu lang dauert. Ein friedliches Miteinander sollte aber immer gewährleistet sein.  

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