Home, Smart Home.

Fabienne Baumgartner
4.1.2016
in
Trends

Häuser werden intelligent: Sie schliessen Türen und Fenster, fahren die Rollläden hoch oder heizen den Backofen vor. Was sind die Vorteile der Smart Homes und welche Probleme bergen sie?

Seit bald zwanzig Jahren träumen Ingenieure von einem intelligenten Haus. Mit einer Heizung, die sich aus der Ferne steuern lässt. Mit einer Kaffeemaschine, welche die Vorlieben ihres jeweiligen Benutzers kennt. Oder mit einem Herd, der die Suppe aufwärmt bis man nach Hause kommt.

Viele solcher technischer Spielereien wurden bereits getestet, nur kam man über Prototypen selten hinaus. Erfindungen wie Lampen, die sich durch Klatschen ein- und ausschalten lassen, oder die sprechende Waschmaschine von V-Zug verschwanden sehr schnell wieder von der Bildfläche, weil Sie vom Verbraucher als unnütz verschmäht wurden – oder schlicht zu teuer und kompliziert waren. Daher blieb das Smart Home lange ein „Liebhaberobjekt“ für eine technikbegeisterte und wohlhabende Minderheit.

Radikale Innovation.

Inzwischen machen Hersteller von Haushaltsgeräten einen zentralen Computer überflüssig: Stattdessen kommen Smartphones und Tablets zum Einsatz. Diese Innovation, so banal sie klingt, öffnet das Smart Home nun dem Massenmarkt und verspricht mehr Lebensqualität, Komfort und Sicherheit für uns alle.  

Denn dadurch, dass es Smartphones und Tablets heute in fast jedem Haushalt gibt, wird das Smart Home sowohl für Verbraucher als auch für Hersteller günstig. Die Kosten für die Ausrüstung eines Smart Homes richten sich nach Anlage und Zahl der Geräten und liegen zirka dreissig Prozent über einer herkömmlichen Ausstattung.

Ein weiterer Pluspunkt: Man muss die Wohnung oder das Haus nicht auf einen Schlag komplett aufrüsten, sondern kann dies ganz sanft nach und nach tun – quasi in 100-Franken-Schritten. Heute die Küche, morgen die Klimaanlage, übermorgen die Waschmaschine. Die Hürde, bei jedem Schritt jeweils eine neue App zu installieren ist gering; die Verbraucher haben das Prinzip „plug and play“ inzwischen verinnerlicht. Und neue Funktionen fügt der Hersteller einer App ganz einfach beim Update hinzu.

Das Internet der Dinge.

Intelligentes Wohnen wäre nicht denkbar ohne das Internet der Dinge, wo Geräte und Computer direkt miteinander oder über das Internet kommunizieren. Der Kühlschrank meldet sich, wenn die Milch alle ist. Der Rasierer, wenn er eine neue Klinge braucht. Das Fenster, wenn es nicht korrekt geschlossen ist.

Alltagsgegenstände bekommen durch Computerchips und Software neue Eigenschaften – und damit so etwas wie ein Eigenleben. Toaster, Heizung, Türen, Kaffeemaschine, Fernseher: Diese Dinge sind nicht mehr, was sie einmal waren. Sie werden intelligent, sie wissen, wer ich bin und was ich will. Die grosse Gefahr dabei ist zum einen, dass diese Smart Appliances Daten und Metadaten, die sie für ihre Funktionalität gar nicht benötigen, abschöpfen und speichern – und diese an Dritte übertragen, ohne dass die Nutzer davon erfahren. Denn das Geschäft mit Daten ist lukrativ; sie sind der Rohstoff des digitalen Zeitalters.

Quelle: Pinterest

Einschnitt in die Privatsphäre.

In einem Smart Home geben die verschiedenen Geräte Tag für Tag Wissen via Internet nach aussen weiter. Die Welt weiss folglich ganz genau, wann wir schlafen gehen, wann wir in den Ferien sind oder was wir gern essen. Im Gegenzug für mehr Komfort machen wir unser Leben freiwillig transparent – und ermöglichen Dritten Einblick in unseren Alltag.

Auf diesem Tauschgeschäft beruhen grosse Teile der Internetnutzung , was dazu geführt hat, dass jeder Klick, jedes Foto, jeder Chat und jeder Post gespeichert wird und mit Hilfe von IP-Adressen, Cookies, Click-Streams, Device-Fingerprint und ähnlichen Mechanismen ergänzt – und dem jeweiligen Nutzer zugeordnet werden kann.

Eric Schmidt, der Aufsichtsratsvorsitzende von Google, hat freimütig festgestellt: „Wir wissen, wo du bist, wir wissen, wo du warst. Wir wissen mehr oder weniger, worüber du nachdenkst.“ Und als sein Unternehmen im Januar letzten Jahres für 3.2 Milliarden US-Dollar den Thermostat- und Feuermelderhersteller Nest Labs erwarb, ergänzte dessen Gründer Tony Fadell: „Wir wissen auch, ob du zuhause bist und gerade deinen Toast verbrennst.“

Die Dynamik dieser Entwicklung ist atemberaubend und die Konsequenzen für unsere Arbeitswelt, für unsere Souveränität und unsere kulturellen Werte kann derzeit niemand abschätzen. Sicher ist: Die Digitalisierung ist dabei, unser Leben grundlegend zu verändern. Ob es auch im Bereich unseres „Home, sweet Home“ sein muss, ist eine andere Frage.

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