KI macht das Semantische Web überflüssig.

Fabienne Baumgartner
15.11.2017
in
Trends

Das Semantische Web ermöglicht es Suchmaschinen, dass sie Informationen zueinander in Beziehung setzen, sie eigenständig auswerten und aus ihnen eine Bedeutung entnehmen können. Schnee von gestern.

«dada», «gaga», «Mama», «Papa», «Wauwau», «Ich habe Hunger» – wofür wir Menschen am Anfang unseres Lebens Monate und Jahre brauchen, genügen der Künstlichen Intelligenz (KI) ein paar Minuten, um das entsprechende Programm zu laden und abzurufen: Unsere Sprache und das Wissen um die semantischen Zusammenhänge einzelner Zeichen bzw. Wörter und Sätze. Das stellt das Web 3.0 – auch das Semantische Web genannt – bereits wieder in Frage, noch bevor es unseren Alltag vollends durchdrungen hat. Denn im Web 4.0 sind die Computer dank KI um ein Vielfaches schlauer als jetzt und haben «gelernt», Sprache und Semantik zu verstehen. Und nicht nur das, sie wissen nun auch damit umzugehen.

Sprache und ihre Bedeutung für uns.

Sprache ist eine rein menschliche Fähigkeit, abstrakte Ideen durch eine komplexe Abfolge von Zeichen oder Signalen zu kommunizieren. Die Signale unterscheiden sich dabei auf drei Arten: Laute, bei der gesprochenen Sprache, Buchstaben, bei der geschriebenen Sprache, sowie Gestik und Mimik, bei der Gebärdensprache. Sprache – unter anderem – hat uns Menschen zu dem gemacht, was wir heute sind. Und sie gibt uns die Möglichkeit, dass wir uns auch in Zukunft noch weiterentwickeln. Wesentlich weiter, als wir uns vielleicht vorstellen können. Sie wird uns sogar befähigen, eines Tages die Erde zu verlassen und auf anderen Planeten zu siedeln.

Aber bis ein einzelner Mensch soweit ist, sich sprachlich korrekt und verständlich auszudrücken, muss er sich diese  Fähigkeit über mehrere Jahre hinweg hart erarbeiten. Zwar können wir ab etwa zwei Monaten erste Laute von uns geben, aber diese entstehen durch zufällige Muskelbewegungen im Mund. Ab den 6 Monat gelingt es uns dann schon Silbenketten wie «dada» oder «gaga» zu bilden. Doch bis wir gezielt sinnvolle Doppelsilben wie «Mama» und «Papa» von uns geben, dauert es in etwa weitere drei Monate. Kurz darauf können wir sogenannte Protowörter wie «Wauwau» selbst produzieren und wir eignen uns einen ersten kleinen Wortschatz an.

Im Alter von etwa eineinhalb Jahren explodiert nicht nur unser Wortschatz, auch sind wir fähig, erste Wortkombinationen und kurze Sätze zu formen. Grammatikalische Grundlagen gehören ab etwa 4 Jahren zu unserem Repertoire und wir können dadurch auch komplexere Satzkonstruktionen verstehen und bilden. Ungefähr zwei Jahre später schaffen wir es dann erstmals, längere Geschichten so (nach) zu erzählen, dass wir uns die wichtigsten Grundsteine für das Erlernen des Lesens und Schreibens angeeignet haben. Doch es dauert häufig bis zum elften oder zwölften Lebensjahr, bis wir ein sicheres Verstehen und Unterscheiden der grammatikalischen Fälle wie Nominativ, Genitiv, Dativ und Akkusativ erlernt haben.

Weil Computer noch nicht schlau genug waren.

Das erscheint viel Zeit für etwas, mit dem wir Tag für Tag wie ganz selbstverständlich umgehen. Aber Sprache und das Verständnis von Sprache sind hochkomplexe Angelegenheiten, was uns aufgrund unseres erworbenen Wissens gar nicht mehr so wirklich bewusst ist. Es wird einem erst dann wieder vor Augen geführt, wenn man sich mit dem Internet und dem darin enthaltenen Potenzial der Informationsbeschaffung und des Informationsaustausches beschäftigt. Hier zeigen sich schnell Grenzen im Zusammenspiel Mensch und Maschine beziehungsweise Maschine und Maschine. Und weil Computer einfach noch nicht schlau genug waren, wurde das semantische Web entwickelt.

Das Semantische Web ermöglicht es Suchmaschinen, dass sie Informationen zueinander in Beziehung setzen, sie eigenständig auswerten und aus ihnen eine Bedeutung entnehmen können. Dadurch ist es nicht nur möglich, dass der Mensch mit dem Computer besser miteinander kooperieren, es können darüber hinaus auch intelligentere Webservices kreiert und genutzt werden.  Dazu müssen Begriffe aber mit weiteren Informationen hinterlegt werden, damit die Daten strukturiert und sinnvoll ausgegeben und von Computern richtig ausgelesen werden können. Wird zum Beispiel der Begriff «Bremen» mit der Information ergänzt, ob es sich um einen Schiffs-, Familien- oder Stadtnamen handelt, erscheinen nur die Ergebnisse, die auch tatsächlich erwünscht sind. Das Semantische Web war geboren und setzte eine neue Zeitrechnung im Internet in Gang.

Computer haben (dazu)gelernt.

Die könnte aber schneller wieder Geschichte sein, als man sich zu Anfang gedacht hat. Schuld daran sind zwei Buchstaben: KI. Dank der Künstlichen Intelligenz sind Suchmaschinen, Sprachassistenten und Computer jetzt viel, viel schlauer, denn sie haben (dazu)gelernt. Ein Beispiel: Seit dem dritten Quartal 2013 kommt ein neues Verfahren bei Googles Suchmaschine zum Einsatz. Es ist unter dem Namen Google Hummingbird (engl. für Kolibri) bekannt und revolutionierte die Suchanfrage bei Google. Zum ersten Mal war es möglich, dass die Suchmaschine nicht nur einzelne Wörter verstehen konnte, sondern ganze Sätze und so die entsprechenden, richtigen Ergebnisse lieferte. Mit dem Hummingbird-Algorithmus kam die semantische Suche ins Internet und läutete damit eine neue Ära im Web ein.

Wirft man dabei noch einen Blick auf die Sprachassistenten Siri von Apple, Alexa von Amazon, Cortana von Microsoft sowie andere und berücksichtigt man die immensen Fortschritte, die Prof. Dr. Jürgen Schmidhuber, wissenschaftlicher Direktor des Schweizer Forschungsinstituts für Künstliche Intelligenz IDSIA, mit seinem Projekt «Deep Learning KI» macht, sind wir nicht mehr weit davon entfernt, dass das semantische Verständnis der KI dem der Menschen gleicht. Mit einem Unterschied: Die Künstliche Intelligenz «lernt» Sprache und Semantik in Minuten.

Die Zukunft des Internets ist Web 4.0.

Dies ist auch der Grund, warum in wahrscheinlich recht kurzer Zeit das Semantische Web, also Web 3.0, vom Web 4.0 abgelöst wird. Denn die Künstliche Intelligenz prägt das Web 4.0 der Art, dass es ein Umprogrammieren auf das Semantische Web unnötig macht. Und wohin uns das dann führt, welche Möglichkeiten uns dann offenstehen, das wird noch sehr interessant.

Quellen:
Allgemeine Psychologie, Kompakt, Sperring – Schmidt, 3. Auflage, 2017

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