Roboter übernehmen unsere Jobs. So what?

Peter v. d. Touw
25.4.2015
in
Trends

Sie sind schlau und belastbar, flexibel und billig: Roboter werden bis 2030 die Hälfte aller Jobs auf der Welt übernehmen, so der amerikanische Futurist Thomas Frey.

Energie, Transport und das Gesundheitswesen sind laut Frey die Bereiche, die von der Digitalisierung am stärksten betroffen sein werden. Aber auch vor vielen anderen Branchen werde diese Entwicklung nicht Halt machen – und die Gesellschaft mindestens so massiv verändern wie die Industrialisierung vor 200 Jahren, behauptet der vielfach ausgezeichnete ehemalige IBM-Ingenieur und Designer. Und mit dieser Meinung steht er nicht alleine da.

Carl Benedikt Frey und Michael Osborne von der Oxford University haben in einer Studie von 2013 untersucht, wie die Aussichten für rund 700 Berufe in der „zweiten Welle der Computerisierung“ sind, die geprägt sein wird von intelligenter Software und neuen Robotern. Kurz zusammengefasst: nicht sehr rosig. Denn in der nahen Zukunft werden Roboter fähig sein, Tätigkeiten zu übernehmen, die bislang als typisch menschlich galten. So liegt die Wahrscheinlichkeit, dass in 20 Jahren ein Roboter im Supermarkt an der Kasse sitzt bei 98%, dass er ein Tram lenkt bei 86% und dass er uns in Steuerangelegenheiten berät bei 99%. Ganz gleich, ob Anwalt, Chirurg, Koch, Automechaniker oder Tanzlehrer: Fast zu jedem Job tüfteln Forscher gerade an einer Software- oder Roboterlösung.

Die neue Robotergeneration.

Diese neuen Roboter sind nicht zu vergleichen mit Industrierobotern wie wir sie aus der Autofertigung kennen: Sie können sich vielseitig bewegen, ihre Umwelt wahrnehmen und auf Menschen eingehen. Zwei Beispiele für diese neue Robotergeneration sind Baxter (2012) und Sawyer (2015), die jüngsten Kreationen von Rethink Robotics, der führenden „Roboterschmiede“ der Welt. Diese beiden Roboter sind zusätzlich zu ihrer intelligenten Software mit einem Display anstelle eines Blechkopfs ausgestattet. Auf diesem Display folgen zwei Augen im Stil einer Comicfigur den Bewegungen des Roboters – exakt so wie es ein Mensch tun würde.

Roboter wie Sawyer sind das Ergebnis eines Prozesses, der seit mehr als einem halben Jahrhundert in Gang ist und dessen Ende nicht abzusehen ist. Diese Entwicklung ist bedingt durch vier Faktoren: bessere Algorithmen, mehr Speicherkapazität, höhere Schnelligkeit und fortgeschrittene Mechanik. Als 1997 der IBM Schachcomputer „Deep Blue“ gegen Kasparov gewann, war das eine Sensation. Heute kann ein bescheidener Tischcomputer den Landesmeister besiegen. 1981 sagte Bill Gates, dass 640 Kilobyte für jeden ausreichten. Damals hätte ein Terabyte ein mehrstöckiges Gebäude gefüllt; heute hingegen passt ein Terabyte in eine Packung Kekse. Zudem werden Computer immer schneller und mechanisch ausgefeilter: Heute kann ein Roboter einen Foxtrott aufs Parkett legen oder Kaffeekapseln verkaufen.

Neue Chancen für uns Menschen.

Welche Auswirkungen hat diese dramatische Entwicklung auf unser Leben und unsere Gesellschaft? Im Moment kann darüber nur spekuliert werden. Sicher ist, dass unser Arbeitsalltag immer mehr von Maschinen geprägt sein wird. Nur wer in der Lage ist mit intelligenten Maschinen zusammenzuarbeiten, wird in Zukunft einen guten Job haben. Gleichzeitig ist die Digitalisierung aber ein grosser Wirtschaftsmotor. Neue technische Errungenschaften werden neue Berufe schaffen: So wie das Flugzeug die Berufe des Piloten, der Stewardess oder des Luftfahrtingenieurs geschaffen hat.

Ray Kurzweil, technischer Direktor bei Google und Autor von „How to create a Mind“ glaubt, dass bis im Jahr 2030 Menschen und Maschinen zu sogenannten „Cyborgs“ verschmelzen werden. Wie jedoch eine Gesellschaft aus Cyborgs aussehen würde, übersteigt unser Vorstellungsvermögen. Kurzweil nennt diesen Zeitpunkt in der Geschichte eine „Singularity“: ein Punkt, an dem jede Vorhersage unmöglich und bedeutungslos wird. Oder wie Doris Day bereits 1956 im Hitchcock-Klassiker „Der Mann, der zuviel wusste“ geträllert hat: „Que sera, sera, what ever will be, will be. The future’s not ours to see, que sera, sera. What will be, will be.“

Quellen:

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