Schön funktional: Wearable Technology.

Fabienne Baumgartner
9.12.2015
in
Trends

Wearable Devices verbinden Kleidung und Accessoires mit nützlichen Funktionen und Technik – und sind dabei, unseren Alltag zu erobern. Aber welche Wearables werden sich durchsetzen?

Noch vor gut einem Jahr war Google Glass ein Riesenthema. Doch Anfang dieses Jahres wurde der Verkauf der Computerbrille an Endverbraucher vorerst eingestellt. Warum? Nach Einschätzung von Christina Mercando, selbst eine Wearable-Unternehmerin, habe Google zu wenig an die Bedürfnisse des Verbrauchers gedacht und sei bei der Entwicklung zu technologie verliebt gewesen. Oder um es deutlicher zu formulieren: Der Träger einer Google Glass sieht aus wie ein Silicon-Valley-Nerd. Dabei ist  es insbesondere bei Wearable Devices wichtig, dass die Technik unsichtbar ist und die Geräte wie ein Lifestyle-Accessoire aussehen. Denn vom Look hängt letztlich der Erfolg der Wearables ab.

Smart Jewellery.

Daher konzentrieren sich die erfolgreichen Projekte auf wenige Funktionen. So wie «Ringly»: Der smarte Fingerring erinnert seine Trägerin durch Vibrieren und Leuchten eines Schmucksteins daran, dass neue Anrufe, SMS oder E-Mails auf dem Smartphone eingegangen sind. Haben Frauen darauf gewartet? Darüber lässt sich streiten. Doch die Firma argumentiert, dass Frauen diese Technologie brauchen, weil ihr Smartphone oft in den Untiefen der Handtasche vergraben sei. Laut Ringly-Chefin Mercando sei dies eine unaufdringliche Technologie , die sich nahtlos ins Leben der Trägerin integriere und das Tagesgeschehen einfacher mache. Ein weiteres Beispiel für intelligenten Schmuck bietet das Pariser Unternehmen Netatmo: Das smarte Armband June ist mit einem UV-Sensor ausgestattet und warnt die Trägerin via Smartphone-App, falls die Sonnen-Dosis für die Haut zu hoch wird.

Flexible Electronics.

Die künftige Generation der Wearables soll sich noch besser an unser Leben anpassen. Um dies zu ermöglichen, forschen Wissenschaftler und Unternehmen weltweit an einer Elektronik, die flexibel auf ihre Umgebung reagiert – die sogenannte Flexible Electronics. Aus diesem Grund hat das US-Verteidigungsministerium die FlexTech Allianz gegründet, die aus knapp 100 Unternehmen besteht, darunter Apple, Boeing, der Chiphersteller Qualcomm und der Rüstungskonzern Lockheed Martin. Diese erhalten in den nächsten fünf Jahren 75 Millionen US-Dollar an Fördergeldern. Weitere 96 Millionen US-Dollar stellen Bildungs- und Forschungseinrichtungen wie die Stanford University und das MIT sowie gemeinnützige Organisationen und private Stiftungen.

Neue Anwendungsbereiche.

Die neue Technik soll zum einen in der Medizinbranche zur Anwendung kommen, wo biegsame und unempfindliche Elektronik für neue Behandlungs- und Operationsmöglichkeiten eingesetzt werden könnte. Zum anderen geht es ums Smart Home: Je vernetzter der moderne Haushalt ist, desto grösser wird der Bedarf an flexiblen, elektrischen Schaltkreisen, die sich nahtlos mit verschiedensten Objekten kombinieren lassen. Und nicht zuletzt erhofft sich das US-Verteidigungsministerium neue Einsatzmöglichkeiten im Militär.

Fitness-Tracker.

Der grösste Trend für den Konsumenten ist und bleibt jedoch Fitnesstracking: das Erfassen und Auswerten eigener Körperfunktionen wie Puls, Atmung oder Blutdruck. Early Adopters, Sportler und Freaks waren schon vor einigen Jahren im Besitz dieser Wearable Devices – inzwischen sind sie bei der breiten Masse angelangt und akzeptiert. Marktführer ist Fitbit mit 4,4 Millionen verkauften Fitness-Trackern: Im Vergleich zum Vorjahr konnte das Unternehmen 2015 ein Absatz-Plus von 150 Prozent verzeichnen. Insgesamt erwarten die Marktforscher für dieses Jahr einen Absatzsprung von 19,8 Millionen (2014) auf 45,7 Millionen Fitnessarmbänder. Bis 2019 soll der Markt nochmals deutlich wachsen .

Usage Based Insurance (UBI).

Datenschützer warnen vor den Gefahren eines gläsernen Lebens, doch viele Anwender schätzen die neuen Möglichkeiten und komfortablen Services im Bereich Human-Telematik. So zum Beispiel «Pay as you drive» oder «Pay as you live». Bei dieser Versicherungsstrategie liefern Kunden Daten zu ihrem Fahrverhalten oder zu ihrem Lebensstil an die Versicherer. Im Gegenzug erhalten sie entsprechende Rabatte. Mehr zu diesem spannenden Thema und neuen Entwicklungen erfahren Sie in einem nächsten Artikel.

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