Willkommen in der Zukunftsfabrik: Industrie 4.0.

Fabienne Baumgartner
20.11.2015
in
Trends

Smarte Anlagen und intelligente Maschinenparks gelten als die vierte industrielle Revolution nach Dampfmaschine, Massenproduktion und Automation. Welches Potenzial steckt in Industrie 4.0?

Über kaum ein anderes Schlagwort ist in den letzten Jahren in der Industriebranche so viel geredet worden wie über Industrie 4.0 – oder Smart Factory wie man die vierte industrielle Revolution in den USA nennt. Dennoch fehlt in vielen Firmen das Wissen darüber, was die digitale Fertigung mit sich bringt und wie die unterschiedlichen Visionen umgesetzt werden müssen. Tatsache ist: Das Internet wird in die Fabriken kommen.

Industrielle Revolutionen.

Die ersten drei Revolutionen haben jeweils entscheidend verändert, wie Waren für unseren Alltag entstehen. Die Erfindung der Dampfmaschine Ende des 18. Jahrhunderts ermöglichte die mechanische Fertigung. Die zweite Phase brachte durch die Fliessbandfertigung die Massenproduktion mit sich. Das erfolgreichste Beispiel dieser Zeit ist das Modell T von Ford von 1914: Die drastische Verbilligung von damals 850 auf 370 US-Dollar machte das Automobil von einem Tag auf den anderen zur Massenware. In der dritten Umwälzung hielten Computer, Robotik und Automatisierung Einzug in die Fabriken. Der Durchbruch des Internets eröffnete ab der Jahrtausendwende neue Möglichkeiten und setzte die vierte Revolution in Gang.

Definition.

Der Begriff Industrie 4.0 wurde 2012 durch die gleichnamige deutsche Zukunftsinitiative geprägt. Er drückt aus, dass nach der Mechanisierung, Elektrifizierung und Automatisierung nun die vierte industrielle Revolution im Gange ist: die Digitalisierung und Vernetzung entlang der Wertschöpfungsketten mit dem Ziel der Optimierung von Organisation und Steuerung der Prozesse.

Neue Technologien.

Grundlagen dieses Wandels sind neue Technologien aus der Informations- und Kommunikationstechnik: Reale und virtuelle Objekte kommunizieren in einem «Cyber Physical System». Produktionsteile sind mit Sensoren oder Chips ausgestattet und schicken Informationen in Echtzeit über das Internet der Dinge an Maschinen oder Zulieferer. Ziel ist es, durch die intelligente Nutzung der Daten, die Produktivität und gleichermassen auch die Individualität der Produkte zu steigern. Denn dank dem Einsatz von Software wird die Produktion immer flexibler und immer kleinere Stückzahlen werden möglich – bis hin zur absoluten Individuallösung von einem Stück.

Industrie 4.0 ist Realität.

Gemäss Jan-Henning Fabian, dem Leiter des ABB-Forschungszentrums Ladenburg, sei insbesondere bei der Herstellung von Luxuswagen eine individualisierte Fertigung, die auf alle Wünsche des Kunden Rücksicht nehme, schon heute der Fall. Ein weiteres Beispiel dafür, dass Industrie 4.0 nicht bloss eine Zukunftsvision, sondern bereits Realität ist, beweist das Schweizer Unternehmen Schindler. Der Lifthersteller hat sein Heer von 20 000 Servicemitarbeitern weltweit mit einer Art digitalem Werkzeugkasten ausgerüstet. Dank dieser Technologie können die Serviceleute noch während des Kundenbesuchs Feedback von der Zentrale über die genaue Natur eines technischen Problems oder auch Informationen über die Verfügbarkeit von Ersatzteilen einholen.

Industrie 2015.

Um Industrie 4.0 erfolgreich in der Schweiz zu etablieren, ist es wesentlich, eine übergeordnete und einheitliche Sichtweise aufzubauen. Daher haben vier Branchenverbände – Asut, Electro Suisse, Swissmem und SwissT.net – die Initiative «Industrie 2025» ins Leben gerufen. Deren oberstes Ziel ist es, die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Unternehmen zu sichern und auszubauen – damit sie als Gewinner aus dieser nächsten industriellen Revolution hervorgehen.

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