Extended Reality: «Werkbank» des 21. Jahrhunderts?

Extended Reality: «Werkbank» des 21. Jahrhunderts?

Unsere Arbeitswelt verändert sich ständig. Doch durch Extended Reality sieht sie sich einem Wandel gegenüber, der sie nachhaltig prägen und auf ein neues Level heben wird. Und nicht nur diese.

von Willem van der Touw & Oliver Glitz

Extended Reality wird gerne als Sammelbegriff für Virtual Reality und Augmented Reality verwendet und ist somit keine eigene Realität wie die anderen beiden genannten. Aber der Begriff vermittelt sehr gut, was die beiden anderen versprechen. Nämlich eine erweiterte Realität. Eine künstlich erweiterte Realität, um genau zu sein, die unsere Gegenwart aber vor allem unsere Zukunft massgeblich beeinflussen wird – in allen Bereichen des Lebens. 

Virtual Reality

Die Darstellung und gleichzeitige Wahrnehmung der Wirklichkeit und ihrer physikalischen Eigenschaften in einer in Echtzeit computergenerierten, interaktiven Umgebung nennt man Virtual Reality. Taucht man in sie ein, ist sie ein aufregendes und mitreissendes Erlebnis, das die Mehrzahl unserer Sinne nicht nur anspricht, sondern auch fordert. Um eine Virtual Reality wirkungsvoll erstellen zu können, müssen einige – aber nicht alle – der folgenden Anforderungen erfüllt sein: Immersion, Plausibilität, Interaktivität und Wiedergabetreue. 

Virtual Reality im Einsatz

Virtual Reality lässt sich in vielen Bereichen einsetzen. Der in der breiten Öffentlichkeit populärste Bereich ist wohl die Computerspiel-Industrie. Hier lassen sich auch die rasanten Fortschritte am einfachsten beobachten. Ebenfalls recht bekannt ist die Pilotenausbildung in Flugsimulatoren. Für die Augen der Öffentlichkeit eher verborgen hat Virtual Reality seit längerem auch Einzug in die Industrie genommen. Zum Beispiel bei der Erstellung von virtuellen Prototypen, bei Produktionsplanungen, virtuellem Training oder für ergonomische Bewertungen. Sie findet sich aber auch bei Visualisierungen in der Architektur, Medizin, Chemie- und  Energiebranche. 


Augmented Reality

Die computergestützte Erweiterung der Realitätswahrnehmung nennt man Augmented Reality. Diese Information kann alle unsere fünf Sinne ansprechen. Häufig jedoch wird unter Augmented Reality nur die visuelle Darstellung von Informationen verstanden, also die Ergänzung von Bildern oder Video mit computergenerierten Zusatzinformationen oder virtuellen Objekten mittels Einblendung und/oder Überlagerung. 

Augmented Reality im Einsatz

In der Praxis werden zum Beispiel bei Fussball-Übertragungen die Entfernung des Balls zum Tor bei einem Freistoss mittels Kreisen, Linien oder Pfeilen eingeblendet. Oder beim Autofahren erscheinen bestimmte Fahrparameter wie beispielsweise Geschwindigkeit, Navigation, Personenerkennung und Verkehrszeichen auf der Frontscheibe im Sichtfeld des Fahrers. Auch haben Unternehmen Augmented Reality bereits für ihre Werbezwecke entdeckt. So konnten im IKEA Katalog von 2013 einige ausgewählte Möbelstücke per Smartphone-App eingescannt und virtuell in die Wohnung projiziert werden. Für Konsumenten eine sehr praktische Möglichkeit, das passende Möbelstück zu finden. 

Extended Reality – die «Werkbank» des 21. Jahrhunderts

Aber Virtual und Augmented Reality, kurz Extended Reality, können noch viel mehr. So ist es jetzt schon möglich, dass sich Monteure ihre nächsten Arbeitsschritte direkt in ihr Sichtfeld einblenden lassen. Für Designer ergibt sich ein völlig neues Arbeitsumfeld, in dem sie beispielsweise mit tatsächlich und virtuell anwesenden Kollegen am selben dreidimensionalen Modell arbeiten. Oder angehende Chirurgen, die komplexe und schwierige Operationen an virtuellen Patienten üben und so auf alle Eventualitäten oder Komplikationen bei echten Operationen vorbereitet werden können. 

Auch das Bildungswesen kann dank Extended Reality revolutioniert werden und zu völlig neuen Unterrichtsmethoden führen: Wer würde denn nicht gerne einmal ins antike Rom oder Athen reisen, den Alltag dort kennen lernen und mit den Menschen dort interagieren, um zu verstehen, wie die Leute dort gelebt haben? 

Ein weiterer Bereich, der von Extended Reality bei der Vermarktung und beim Verkauf stark profitieren kann, ist der Immobiliensektor. Immobilien ansehen, betreten, durch die Räume laufen, Einrichtungsgegenstände neu platzieren, noch bevor der erste Spatenstich getan ist, wird in Zukunft vor allem bei hochpreisigen Immobilien an der Tagesordnung sein. Im untenstehenden Video kann man durch klicken und ziehen eine 360° Ansicht geniessen.

Im Maschinenbau oder Automobilbau verspricht Extended Reality ebenfalls ein immenses Potenzial bei der Entwicklung neuer Modelle. Wie bei der Vermarktung: So liessen sich neue Automodelle neben den üblichen Hochglanzfotos im Katalog auch dreidimensional aus allen Blickwinkeln vorstellen. Und gegebenenfalls in allen verfügbaren Farben. 

Generell ist diese Form der Darstellung eine interessante Möglichkeit, neue Produkte vorzustellen. Ganz unabhängig von Branche und Unternehmen. Auch am Point of Sale kann Extended Reality durch ein mitreissendes Erlebnis potenzielle und bestehende Kunden überzeugen. Denn die Interessenten und Kunden von heute wollen bei ihrer Entscheidungsfindung mehr unterhalten werden, als dass man ihnen «befiehlt», was sie zu tun haben.

Der nächste logische Schritt

Alles in allem bietet Extended Reality eine völlig neue Art des Lernens, Verstehens und Arbeitens. Aber auch des Werbens und Verkaufens – mit viel mehr Interaktion und viel mehr Erlebnis für die potenziellen wie bestehenden Kunden. Extended Reality wird die Art und Weise verändern wie wir leben, uns informieren und einkaufen. Wir sind gerade erst am Anfang eines langen, spannenden Weges. Aber es ist der nächste logische Schritt. 

6. April 2016

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