Chatbots – The next big Thing?

Chatbots – The next big Thing?

Seit der Erfindung der SMS sind Textnachrichten mehr oder weniger gleich geblieben. Mit dem Smartphone schreiben wir zwar längere Nachrichten mit Fotos, Videos oder Emojis, der Hauptzweck jedoch – einfache Konversation – ist noch derselbe. Das wird sich ändern: Mit dem Aufkommen von Bots entwickeln sich Messaging-Apps neu zu Plattformen für externe Services.

Facebook vs. Google vs. Apple.

Ein Chatbot ist ein Software-Programm, das sich mit Usern in natürlicher Sprache unterhalten und eine ganze Reihe von Aufgaben erledigen kann: Der Bot bestellt Tickets, findet passende Sneaker oder vermittelt gar Mitarbeitende.

Seit dem Launch des Facebook Messengers v1.2 Mitte September sind Messenger-Bots auch relevant für den E-Commerce. In den USA können Nutzer Transaktionen direkt im Messenger abschliessen. Das macht die User Experience nahtlos und «smooth»: vom Bestellgespräch bis hin zu den gespeicherten Bezahl-Daten muss der User weder eine App installieren, noch sich auf einer weiteren Webseite registrieren.

Unterdessen sind die zwei anderen Tech-Riesen nachgezogen. Google hat seine Suchmaschine direkt in die neue Messaging-App Allo integriert. Und Apple bietet einen Shop für neue Anwendungen innerhalb von Messages. Hier eine Übersicht, wie sich die drei Messanger-Bots unterscheiden.

Facebook Messenger: Do it Yourself.

Facebook ist das einzige Unternehmen, das Services von Drittanbietern in seine Messaging-App integriert. Derzeit gibt es über 30’000 Bots auf dem Facebook Messenger. Um einen Bot zu nutzen, muss man ihn über das Suchfeld im Messenger als Kontakt hinzufügen. Dann kann man in einem Chat mit dem Bot kommunizieren. Verglichen mit allgemeinen Bots wie Siri haben Messenger-Bots einen grossen Vorteil: Sie müssen nicht alles verstehen und sind darum einfacher zu programmieren. Es reicht, wenn sie in ihrem spezialisierten Bereich ein gutes Sprachverständnis haben.

Dennoch ist die User Experience mit jedem Bot im Facebook Messenger eine andere. Manche Bots fragen, was man benötigt – während andere bloss Nachrichten oder Updates senden. Wie ein Messenger Bot mit uns interagiert, liegt in den Händen der Entwickler. Im Gegensatz dazu ist die Erfahrung mit dem Google Assistant einheitlicher, da Google die volle Kontrolle hat. Die folgende Beispiele zeigen, wie Messenger Bots in der Praxis funktionieren:

Hi Poncho

Hi Poncho liefert mittels Textbefehlen auf charmante Art Wetterprognosen.

Fynd

Fynd ist ein Shopping-Bot. Dies könnte einer der wichtigsten Bot-Typen im Messenger werden. 


Google Allo: künstlich intelligent.

Auf der Entwicklerkonferenz I/O hat Google dieses Jahr mit Allo und Duo gleich zwei neue Messenger präsentiert. Die grösste Neuerung: Allo verknüpft Chat-Funktionen mit dem Google Assistant – einem intelligenten Chatbot, der auf künstlicher Intelligenz basiert. Allo lernt auf Basis der Text- und Bilderkennung und schlägt selbständig Antworten und Nachrichten vor. Auf eine Frage wie «Passt dir morgen?» könnte er Antworten vorschlagen wie «Muss noch schauen» oder «Kann ab 20 Uhr». Dies klappt auch bei Fotos. Erhält man z.B. ein herziges Katzenbild, schlägt der Bot Antworten vor wie «jööh», «herzig» oder häufig benutzte Emojis.

Der Google Assistant recherchiert aber auch passende Informationen im Kontext. Antwortet man auf die Frage «Worauf hast Du Hunger?» mit «Italienisch wäre gut», zeigt Allo eine Liste mit italienischen Restaurants in der Nähe. Der Google Assistant macht im Moment vor allem eins einfacher: das Teilen von Informationen. Man muss dazu nicht zwischen mehreren Apps jonglieren. Der wesentliche Unterschied zwischen Allo und den Messaging-Apps von Apple und Facebook? Allo ist nicht offen für Anwendungen von Drittanbietern. Mit Allo finden Sie zwar Restaurants in Ihrer Nähe, ohne die Chat-App verlassen zu müssen. Jedoch können Sie den Tisch im Lokal ihrer Wahl nicht direkt reservieren. Zumindest noch nicht.

Allo im Gruppenchat.

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Gibt man in einem Gruppen-Chat «@google» ein, ruft man den Google Assistant auf.

Interaktion.

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Google’s Allo reagiert auf gesprochene oder geschriebene Befehle.


Apple iMessages: Apps in der App.

Im September 2016 startete Apple einen neuen Store: den iMessage App Store. Der Marktplatz für iOS 10 ist prall gefüllt mit Apps für Apples Messaging-App. Sie können unter anderem über die Weather Channel App eine Wetterprognose abrufen und sie mit einem Freund teilen, ohne zwischen Anwendungen wechseln zu müssen. Oder mit Freunden entscheiden, wo Sie am Abend essen wollen – und das Restaurant im Anschluss direkt über OpenTable reservieren.

Apples Ansatz unterscheidet sich grundsätzlich von Google und Facebook. Das Unternehmen aus Cupertino verzichtet auf ein «Conversational Interface». Apps in iMessage bedient man gleich wie Apps auf dem Smartphone. Statt mit einem virtuellen Assistenten oder automatisierten Bot zu chatten, öffnet man die App im Textfeld des Chats. Während Facebook und Google auf natürliche Kommunikation fürs Steuern der Bots setzt, baut Apple Apps direkt in iMessage ein. 

App-Store.

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Den Store für iMessage-Apps findet man in jedem Chat-Fenster über das «A»-Symbol.

 

Chat Integration.

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Die Inhalte anderer Apps werden in iMessages direkt im Chat angezeigt. Hier OpenTable.


Wer macht das Rennen?

Facebook, Google und Apple setzen ganz klar auf Messaging-Apps. Wie eine Umfrage für den US-Markt belegt, sind diese Apps die am meisten genutzte Smartphone-Funktion . Weltweit verbringen Nutzer zwischen 50 und 200 Minuten pro Woche in Messaging-Apps wie WeChat, KakaoTalk und Line. Kein Wunder, sagen viele Experten den Siegeszug von Messaging-Apps voraus. 

Ob solche Prognosen zutreffen, wird sich weisen. Letztlich werden die User die Messaging-Plattform wählen, die auch die meisten ihrer Freunde und Familienmitglieder nutzen. Das ist ein grosser Vorteil für Apple und Facebook. Apples iMessage ist in jedem iPhone standardmässig installiert. Die Facebook Messenger App zählt mit 1 Milliarde Nutzern zu den grössten Nachrichtendiensten auf der Welt. Mit Allo muss Google die User erst davon überzeugen, eine neue App zu installieren, von der sie wahrscheinlich noch nicht gehört haben.


Links

Facebook Messenger Platform (beta)

Google Allo

Apple iMessages
 

20. September 2016

 – 2 Kommentare

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Kommentare

  1. Auf welche Studie bezieht sich die Aussage das sich die Smartphone-User zwischen 50-200 Minuten pro Woche mit Messenger-Apps beschäftigen. Danke für Ihre Info.

    Kommentiert von Annabelle am 10.02.2017 23:25:37

  2. Hallo liebe Annabelle, wir beziehen uns auf den Artikel "Consumers Spend 85% Of Time On Smartphones In Apps, But Only 5 Apps See Heavy Use". Den Link zum Artikel und Ausschnitte zur Studie haben wir beim Text "in Messaging-Apps" verlinkt.
    Beste Grüsse Notch Interactive

    Kommentiert von Anine Shama am 15.02.2017 08:28:36

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