10 Jahre Smartphone: Was kommt? Was bleibt? Was geht?

10 Jahre Smartphone: Was kommt? Was bleibt? Was geht?

Rafael Zeier, Redaktor Digitales und Gesellschaft beim Tages-Anzeiger, verrät im Notch Interview, ob der Smartphone-Boom anhalten wird und welche neuen Funktionen in der Pipeline sind. Jetzt lesen!

 

1. Neuerungen

Wir erleben seit einiger Zeit nur noch inkrementelle Veränderungen. Was wird der nächste grosse Wurf in der Smartphone-Entwicklung?

Grössere Bildschirme in kleineren Handys. Samsung hat hier gerade mit dem Galaxy S8 vorgelegt und alle anderen werden nachziehen. Das ist zur Abwechslung wirklich eine nützliche Neuerung. So werden Handys wieder handlicher, ohne dass man auf grosse Bildschirme verzichten muss. Schon in einem halben Jahr, werden Handys mit viel Rand rund um den Bildschirm ziemlich alt aussehen. Längerfristig sehe ich viel Potential bei Augmented Reality. Pokémon Go und Google Glass haben nur ansatzweise gezeigt, was dereinst möglich wird. Anders als Virtual Reality ist Augmented Reality alltagstauglich. Aber hier muss man sich noch gedulden.

2. Energiequellen

Die Hauptproblematik der Smartphones bleibt die Energiequelle. Welche Neuerungen sehen Sie hier? 

Ja, da sieht es nach wie vor düster aus. Etwas überspitzt gesagt, sind unsere heutigen Akkus gut verpackte Mini-Lagerfeuer. Moderne Ideen wie Brennstoffzellen oder Sender, die Strom drahtlos in einem Raum verteilen, lassen weiter auf sich warten. Und somit bleibt der Akku die Achillesferse der digitalen Zukunft. 

3. Kameras

Momentan haben die Smartphones auf der Vorder- und Rückseite Kameras. Ist zu erwarten, dass noch mehr Kameras angebracht werden – z.B. auf der Seite? Oder geht es eher darum die bestehende Qualität weiter zu steigern? 

(lacht) Hoffentlich bleibt es bei Kameras auf der Front- und Rückseite. Ich persönlich war nie ein Fan der Kamera in der Google-Brille. Auch im TV möchte ich lieber keine. Ich bin da vielleicht etwas paranoid und reduziere die Kameras um mich gerne auf ein Minimum. Beim Handy werden die grossen Quantensprünge bei der Kamera-Software passieren. Jahr für Jahr sehe ich wie Handys näher an die Qualität meiner Vollformat-Kamera herankommen. Die neuesten Doppel-Kameras von Apple und Huawei/Leica sind der beste Beweis dafür. Kompaktkameras sind diesem Trend schon zum Opfer gefallen. Bald könnte es auch teureren Kameras ähnlich ergehen.

4. Sprachsteuerung

Nur wenige User verwenden Sprachsteuerung. Warum kommen Siri & Co. nicht an? 

Es ist einfach seltsam mit Geräten zu sprechen. Dazu kommt, dass die Antworten meist wenig hilfreich sind. Siri und ihre «Helferkollegen» verstehen zwar wortwörtlich, was wir sagen. Aber wenns ums Begreifen geht, was wir wollen, hapert es noch gewaltig. Ich nutze Sprachsteuerung nur, wenn ich in der Küche einen Timer setzen möchte und alle Hände voll habe. Das klappt zuverlässig.

5. Zukunft des Smartphones

Wie viele Jahre wird es dauern bis die Smartphones (wie wir sie kennen) verschwunden sind?

Sehr sehr viele Jahre. Schauen Sie sich den Plattenspieler an. Der ist auch immer noch da. Aber ich kann mir schon vorstellen, dass das Handy zu Taschenuhr des Mobile-Zeitalters wird. Erst unverzichtbar und dann irgendwann nur noch was für Spezialisten.

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Quelle: istockphoto.com
 

6. Smartwatches

Seit dem Launch des iPhones im Jahr 2007 hat der Absatz weltweit rasant zugenommen. Diese Entwicklung blieb bei den Smartwatches ganz offensichtlich aus. Wieso hat die Smartwatch (k)eine Zukunft?

Da muss ich entschieden widersprechen. Wir sind einfach noch sehr früh dran. Ich würde auch nicht ausschliessen – um es mit der Smartphone-Geschichte zu vergleichen – dass Smartwatches der iPhone-Moment noch bevorsteht. Ich glaube smarte Uhren haben sehr grosses Potential. Ich selbst trage 24 Stunden am Tag meine Apple Watch und möchte nicht darauf verzichten. Nicht zuletzt weil sie der beste Wecker ist, den ich je hatte. Und obwohl ich hundert Verbesserungsvorschläge hätte, finde ich sie schon heute eine sehr angenehme Form von Technologie. Am anderen Handgelenk trage ich aber weiterhin eine mechanische Uhr. 

7. Digitale Luxusuhren

Wird die Rolex Submariner im Jahr 2025 digitale Komponenten beinhalten und/oder mit dem Smartphone verbunden sein?

Ein schwieriges Beispiel. Die Submariner wurde ja seit 1953 nur in Nuancen und nur alle paar Jahrzehnte verändert. Aber andererseits hat Rolex schon in den 70er-Jahren unter anderem zusammen mit Hewlett Packard eine Digital-Uhr mit LEDs und Solarzellen entwickelt. Auf den Markt kam sie dann allerdings nie. Ich denke, dass Rolex auch künftig an der Uhr selbst keine Chips, Displays und Akkus zulassen wird. Aber ein eleganter Kompromiss wäre ein Armband mit den besten Smart-Funktionen. Das müsste ja nicht mal von Rolex selbst kommen. Mit etwas Fingerfertigkeit kann man die Armbänder von Luxusuhren problemlos tauschen. So habe ich zum Beispiel schon mit wenig Aufwand ein Fitbit und sogar eine Apple Watch an meine mechanische Uhr geschnallt. 

8. Neue Features

Mit welchen neuen Features dürfen wir in Zukunft rechnen?

Aktuell sind die smarten Uhren noch ziemlich dumm. Man muss viel zu viele Knöpfe drücken oder mit ihnen sprechen, wenn man etwas will. In Zukunft werden die Uhren den Kontext viel besser begreifen, so dass ein schneller Blick oder ein Tastendruck schon ausreichen. Wenn ich zum Beispiel auf der Apple Watch die Lautstärke von Spotify auf dem Handy verändern möchte, muss ich die Uhr fünf Mal berühren. Das wird sicher besser. Auch sollte es nicht mehr lange dauern bis Smartwatches komplett ohne Smartphone auskommen. Erste Modelle gibt es bereits. Eine Akkulaufzeit von einem Monat oder länger wäre natürlich grossartig, aber das ist wohl mit der Schwette an Funktionen, die von einer solchen Uhr erwartet werden, nicht zu machen.

9. Sensoren

Wann wird die Smartwatch unter die Haut verschwinden?

Wenn die Technologie so gut ist, dass man sie nur alle zehn Jahre auswechseln muss. Aber ich glaube, dass höchstens Sensoren unter der Haut Sinn machen. Eine ganze Uhr, also vor allem ein Display oder Zifferblatt, macht für mich wenig Sinn. Man möchte das Gerät ja je nach Situation auch mal ablegen oder wechseln können. 

 


Kontakt und Information:
Herr Rafael Zeier 
Redaktor für Digitales und Gesellschaft bei Tages-Anzeiger / Sonntagszeitung
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26. April 2017

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