Influencer Marketing: Droht dem Trend ein Aus?

Influencer Marketing: Droht dem Trend ein Aus?

Valeria Mella und ihr Mann Adrian Rüedi gehören zu den einflussreichsten Bloggern der Schweiz und stehen zudem Unternehmen hinsichtlich Influencer Marketing beratend zur Seite. Dieses Thema hat einen faden Beigeschmack, seit bekannt ist, dass einige Unternehmen und Blogger ihre Follower, Likes und Comments kaufen. Auch dazu nimmt Valeria Mella Stellung im Notch Interview.


1. Erfolgsrezept.

Du und dein Mann Adi betreiben den Blog LittleCITY.ch. Mittlerweile gehört ihr zu den Top-Influencern der Schweiz. Was macht euch aus und warum habt gerade ihr es unter den vielen Blogs geschafft? Wie lautet euer Erfolgsrezept?
 

Wenn uns 2012, als wir mit LittleCITY starteten, jemand gesagt hätte, wo wir heute sein werden, hätte ich ihn für verrückt erklärt! Seit Beginn haben wir mit viel Leidenschaft einfach das gemacht, was uns am meisten Freude bereitete. Dies war von meiner Seite vor allem die Freude an der Fotografie sowie Social Media.

LittleCITY habe ich als Hobby neben einem 100%-Job gestartet und kurz darauf kam Adi mit seinen Videos dazu. Wir haben nie geplant, mal von unserem Blog leben zu können. Da sind wir quasi über die Jahre reingerutscht. Ein Rezept haben wir nicht. Aber ich denke, was uns ausmacht ist, dass wir immer 100% geben, bei allem was wir machen. Dazu achten wir auf hohe Qualität unserer Inhalte, sind authentisch und ehrlich, und setzen Kooperationen mit Unternehmen nur dann um, wenn wir zu 100% dahinter stehen und professionell arbeiten können. Zudem ist es ein schönes Kompliment, wenn uns gesagt wird, dass wir in echt genau so rüberkommen wie online. Wir verstellen uns nicht und sind einfach wir selbst. 
 

2. Organisation.

Viele wissen gar nicht wie viel Effort man leisten muss, um mit einem Blog erfolgreich zu sein. Wie teilt ihr eure Aufgaben auf? Also, wer macht was? Und könnt ihr von eurem Blog leben?
 

Der Aufwand hinter einem Blogpost oder einem Video wird oft unterschätzt – das merken wir auch. Solange unsere Leser Freude an unseren Inhalten haben, ist das aber auch nicht schlimm.

Adi und ich sind ein super Team und ergänzen uns in unseren Stärken und Schwächen sehr gut. Adi ist für alle unsere Videos verantwortlich sowie für technisches und ich für die Blogposts (Bilder & Text). Zudem haben wir jeweils unsere eigenen Social Media Kanäle, welche jeder so führt, wie er möchte. Auch bin ich für die täglich eintreffenden Mails zuständig, während Adi unsere Reisen plant. Wir sind gemeinsam ständig dran, an neuen Ideen zu tüfteln. Wir lieben es beide, kreativ zu sein!

Seit Ende 2015 können wir von LittleCITY leben, was für uns unglaublich ist. Wir arbeiten heute beide deutlich mehr als früher in unseren alten Jobs, aber jeden Tag unserer grössten Leidenschaft nachzugehen und nicht für einen Arbeitgeber sondern für uns selbst zu arbeiten, ist für uns das grösste Privileg. Zudem ist es toll, dass wir von überall aus arbeiten können und nutzen dies immer wieder, um spontan einen Flug an spannende Orte zu buchen, um von dort aus zu arbeiten – wie zum Beispiel zuletzt Kambodscha, die Philippinen oder das Tessin. Bei solchen Reisen verzichten wir auch ganz bewusst auf Kooperationspartner.


3. Kooperationen.

Ihr habt schon mit vielen namenhaften Brands, aber auch Destinationen oder Hotels wie Graubünden Ferien, SWISS oder Seychellen Tourismus zusammengearbeitet. Eure Premiumpartner sind laut Webseite Seat, Mövenpick Hotels und Panasonic. Wie arbeitet ihr mit diesen Brands zusammen und wie geht ihr mit Anfragen generell um, um authentisch zu bleiben?
 

Wir arbeiten ausschliesslich mit Unternehmen zusammen, hinter welchen wir zu 100% stehen können und die einen Mehrwert für unsere Leser bieten. Wir fragen uns dabei immer, ob wir das Unternehmen auch unseren besten Freunden empfehlen würden. Und über Produkte berichten wir nur, wenn wir sie privat auch nutzen und wirklich toll finden. Authentisch zu sein, ist unser grösstes Gut und wir schätzen unsere Leser sehr. Sie zu enttäuschen, wäre für uns das Schlimmste. Unsere Leser stehen über jeder Kooperation und das nehmen wir sehr ernst.

Unsere Kooperationspartner wählen wir sehr gezielt aus und arbeiten lieber langfristig und mit wenigen Unternehmen zusammen. Deshalb sagen wir auch rund 90% der Anfragen ab, welche bei uns eintrudeln. Bei Kooperationen ist uns wichtig, dass wir keine zu grossen Vorgaben haben, unsere Partner Vertrauen in uns haben und wir Projekte frei umsetzen können. Denn wir glauben, dass wir so die besten und kreativsten Resultate erzielen können. Und bisher waren zum Glück immer alle zufrieden mit dem Ergebnis!

Premiumpartner sind ausgewählte Unternehmen, mit welchen wir bewusst langfristig zusammenarbeiten. Mit SEAT arbeiten wir zum Beispiel schon rund 2 Jahre zusammen und fahren seit ca. 1.5 Jahren selbst einen SEAT Ibiza. Und auch Panasonic begleitet uns seit Beginn von LittleCITY, denn Adi hat schon seine ersten Videos begeistert mit Lumix gedreht. Damals noch ohne Kooperation. Wir schätzen die Zusammenarbeit und das gegenseitige Vertrauen sehr und machen auch kein Geheimnis darum. Kooperationen legen wir immer offen.


4. Zukunftsprognose für Influencer Marketing.

Ihr selbst beratet Unternehmen zum Thema Influencer Marketing. Der Markt der Influencer scheint langsam übersättigt zu sein und viele kann man kaum noch ernst nehmen. Leider sind gekaufte Likes, Comments und Follower keine Seltenheit. Wie steht ihr generell zum Thema Influencer Marketing? Welche Prognose gebt ihr dazu für die Zukunft ab? Und was braucht es eurer Meinung nach für den weiteren Erfolg dieser «neuen Werbeform»?
 

Wir bekommen immer wieder Anfragen von Unternehmen, ob wir sie im Bereich Influencer Marketing unterstützen können – was uns sehr freut. Zurzeit arbeiten wir langfristig mit zwei Firmen zusammen und unterstützen sie im Bereich Influencer Relations und Social Media. Wir planen aber nicht, diesen Bereich auszubauen, da der Fokus auf Inhalten für LittleCITY liegt.

Natürlich ist es für uns auch frustrierend, wenn wir sehen, dass Bloggerkollegen über Nacht hunderte oder tausende von Likes einkaufen. Dies macht den Markt kaputt und wirft ein schlechtes Licht auf die ganze Branche. Wir lassen uns davon aber nicht abschrecken und vor allem nicht demotivieren. Wir machen unser eigenes Ding. 

Wie überall und in jeder Branche darf man nie alle in einen Topf werfen und es gibt überall Leute, die Dinge ernster nehmen als andere. Influencer Marketing wird es aber bestimmt noch lange geben und ist ja eigentlich auch nichts Neues. Auch ist jeder ein Influencer, von Roger Federer über einen Bundesrat bis zum Nachbarn. Jeder, der andere bei einer Entscheidung beeinflusst, ist ein Influencer. Nur ist der Begriff durch das Aufkommen vieler Blogs zum Trendbegriff mutiert und dabei stark von dem ganzen «Fake» geprägt, welcher betrieben wird. 

Auch wenn wir als Influencer gelten, mögen wir den Begriff nicht und sehen uns eher als Content Creator. Unsere Leidenschaft ist, hochwertige und kreative Inhalte mit Mehrwert zu erschaffen. Und ich glaube, dass hier in Zukunft noch viel passieren wird und wir in der Schweiz, was Influencer Marketing betrifft, erst noch in den Kinderschuhen stecken. Was ich aber auch glaube ist, dass sich mit dem Aufkommen immer mehr Blogs und mehr unechter Reichweite die Spreu immer mehr vom Weizen trennt. Also denjenigen, welche das, was sie tun, aus Leidenschaft, authentisch auf ehrliche Art und Weise machen und einen Mehrwert schaffen. Und denen, welche nur bloggen, weil sie so an kostenlose Produkte oder Dienstleistungen kommen wollen und sich unlauteren Mitteln bedienen.


Bevorstehende Projekte und Tips für Newbies.

Zum Schluss würde uns noch interessieren: Welches Projekt steht bei euch als nächstes an – falls ihr darüber sprechen dürft? Und was würdet ihr den Newbies unter den Bloggern mit an die Hand geben?
 

Wir arbeiten seid mehreren Monaten am grössten Projekt, das wir bisher gemacht haben. Leider darf ich noch nicht erzählen, um was es genau geht, aber das Ganze hatte seinen Ursprung in einer ziemlich verrückten Idee von Adi. Zusammen mit einem tollen Partner, welcher uns unglaublich viel Vertrauen schenkt, sind wir nun intensiv dran, alles in die Wege zu leiten! Was wir genau aushecken, werden wir dann im August zeigen.

Generell rate ich jedem, der mit Bloggen anfangen möchte, einfach mal anzufangen! Ich glaube, das ist bei vielen die grösste Hürde. Es muss auch nicht gleich alles perfekt sein. Learning by doing war schon immer mein Credo. Nicht mit dem Bloggen anfangen sollte man, wenn man dies nur deswegen tut, weil man an Gratisprodukten, Einladungen oder Geld interessiert ist. Das merkt man leider sehr schnell, wenn man einen Blog liest. Wer mit viel Leidenschaft, Durchhaltewillen, Authentizität, Qualität und Mehrwert einen Blog aufzieht, kann aber auch heute auf jeden Fall noch erfolgreich werden. Den damit verbundenen Aufwand sollte man aber nicht unterschätzen. 

 

Kontaktinformationen:
LittleCITY - Travel, Food & Lifestyle Blog
Valeria Mella & Adrian Rüedi
Website LittleCITY
Mail: valeria@littlecity.ch
Instagram valeriaslittlecity
Instagram adislittlecity
Facebook LittleCITY

18. Juli 2017

 – 0 Kommentare

Artikel teilen:


Kommentare

Keine Kommentare vorhanden.

Kommentieren

Pflichtfelder*