Radio und Comedy in Zeiten von Social Media.

Radio und Comedy in Zeiten von Social Media.

Stefan Büsser ist Radiomoderator und Comedian. In Zeiten von Social Media sind die Reaktionen auf Radio-Beiträge oder Comedy-Veranstaltungen wesentlich schneller und direkter. Welchen Einfluss hat das auf seine beiden Jobs? Wo sieht er Chancen? Wo Gefahren? Im Notch Interview gibt Stefan Büsser einen Einblick in seine tägliche «Öffentlichkeits-Arbeit». 
 

1. Werdegang.

Das Radio ist ja auch nicht mehr das, was es einmal war: ein reines Informationsmedium. Heutzutage gibt es eine Fülle von Sendungen und der Zuhörer ist meistens ein fester Bestandteil dabei. Abgesehen von den Nachrichten. Was hat Dich dazu veranlasst, zum Radio zu gehen? Das journalistische oder das unterhaltende Element? 
 

Ich bin eigentlich ein Fleisch gewordenes Radio. Ich habe mit Informations-Journalismus bei der Schweizer Illustrierten und dem Blick begonnen und bin immer mehr zum Unterhalter geworden. Der Unterschied zwischen Unterhaltung und Information ist ja mittlerweile auch fliessend. Dafür gibt es dieses hässliche Wort «Infotainment». In Amerika vertrauen die Zuschauer den informativen Comedy-Sendungen wie «Last Week Tonight» oder der «Daily Show» ja schon mehr als den klassischen Nachrichtensendungen. Ich selber träume schon seit meiner Kindheit davon, Radiomoderator zu sein. Und es gab noch keinen Tag, an dem ich nicht mehr Radio machen wollte.


2. Die Zukunft des Radios.

Wie hat sich das «Radio machen» in den letzten gut zehn Jahren verändert und welche Rolle spielten die Sozialen Medien dabei? Wird sich das Radio dadurch in Zukunft verändern oder gar verändern müssen?
 

Social Media war zuerst eine nette Ergänzung zu den Radioinhalten. Für einige Stationen ist Social Media mittlerweile schon wichtiger als das Radio. Deren Social Media Abteilungen haben mehr Mitarbeiter als die Redaktion. Das macht auch Sinn, denn jemand, der eine Radiostation «liked», hört sie nicht zwingend. Trotzdem kann man ihm so die Marke und ihre Inhalte näherbringen. In naher Zukunft werden die Radioredaktion und die Social-Media-Redaktion also so zusammenarbeiten, wie es die Zeitungen innerhalb der gleichen Verlage schon tun: Wo es Synergien gibt, nutzt man sie, aber jeder bedient ein eigenes Zielpublikum. 


3. Erfolgreicher Comedian.

Du bist ja nicht nur ein sehr beliebter Radiomoderator, sondern auch ein äusserst erfolgreicher Comedian. Welchen Einfluss hat hier Social Media – auf Dich persönlich und/oder auf Dein Programm? Oder trennst Du das gar nicht?

Meine Social-Media-Kanäle sind ein äusserst wertvolles Promo-Tool. Ich würde heute nicht die Hälfte der Tickets verkaufen, wenn ich kein Social Media hätte. Allerdings muss man auch hier relativieren: Die Nachhaltigkeit ist noch nicht bewiesen. Das Internet ist der Katalysator der Gratis-Kultur und darum heisst es nicht zwangsläufig, dass jemand mit vielen Likes auch viele Tickets verkauft. Es gibt Social-Media-Komiker, die weitaus mehr Follower haben als ich, aber keine Karten oder Merchandising losbringen. Nur weil man jemanden «liked», kauft man noch kein Ticket. Da muss einem die Arbeit des Künstlers auf Videos oder durch Mund-zu-Mund-Propaganda überzeugen. Im Comedyprogramm selber ist Social Media immer wieder ein Thema, aber nicht weil ich da besonders erfolgreich wäre, sondern weil es einfach ein Gesellschaftsphänomen ist.

Sexyläuten-Platz

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4. Unterscheidung der Kanäle.

Radio, Bühne oder YouTube – wo verstehen die Leute am meisten Spass? Anders gefragt: Wie unterscheiden sich die Kommentare bzw. Posts auf diesen drei «Kanälen»? Oder gibt es da gar keine grossen Unterschiede?


Dass Facebook, Instagram, etc. Social Media heissen, ist eigentlich falsch. Korrekterweise müssten sie assoziale Medien heissen. Der Grad an Hass und Häme in den Kommentaren erschreckt mich – auch unter meinen Inhalten – immer wieder. Ich versuche, Beleidigungen gegen Protagonisten in meinen Videos so gut es geht zu löschen oder verbergen. Ansonsten ist der Unterschied zwischen den Plattformen nicht gross. Wer eine Mischung aus Evergreen-Themen und Überraschendes anbietet, wird auf allen Kanälen Erfolg haben.


5. Zukunftsaussichten.

Zum Schluss würde uns noch interessieren: Wo fühlst Du dich mehr zu Hause: in der Radio- oder in der Comedy-Welt? Und auf was können wir uns bei Dir in Zukunft noch freuen – auch im Social Media Bereich? 

Radio war meine erste Liebe und wird es auch immer bleiben. Wir sind aber in einer offenen Beziehung. Die Comedy-Erfahrungen haben mir in Sachen Timing und Publikumsverständnis auch für meine Radio-Arbeit enorm geholfen. Deshalb werde ich wohl alle Plattformen, die ich jetzt bediene, auch weiter nutzen. Was da noch alles kommt – da lasse ich mich auch selber überraschen. Wer in dieser Branche weit vorausplant, ist unflexibel und wird seine Pläne früher oder später eh wieder anpassen müssen.


Kontakinformationen:

Stefan Büsser
Comedian und Moderator
Webseite Stefan Büsser
Instagram stefanbuesser
Facebook Stefan Büsser
Twitter @stefanbuesser

26. September 2017

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