«That’s a … Shortlist, Bronze, Silver, Gold, Grand Prix.»

Impressionen aus der Eurobest Jury 2017.

«That’s a … Shortlist, Bronze, Silver, Gold, Grand Prix.»
Sören Schröder, Creative Director bei Notch Interactive

Im November dieses Jahres hatte ich die Ehre als Juror am Eurobest Festival 2017 in London teilzunehmen. Der Eurobest Award «The European Festival of Creativity» gehört zu den Cannes Lions und wird auch als die «Europameisterschaft der Werbung» bezeichnet. Das Festival findet jährlich in wechselnden europäischen Metropolen statt. Nach Antwerpen 2015 und Rom 2016, war der diesjährige Austragungsort London. Hier war ich gemeinsam mit sieben anderen Jurorinnen und Juroren Teil der «Interactive, Mobile & Digital Craft»-Jury. 

Nachdem ich aus London zurück war, wurde mir häufiger die Frage gestellt: «Wie war das denn eigentlich so in der Eurobest Jury?» Meistens lautete meine Antwort darauf: «Super!» – was keine besonders aussagekräftige Antwort ist. Doch leider hat man in der Regel viel zu wenig Zeit, um Fragen ausführlich zu beantworten. Vor allem, wenn man dieselbe Frage mehrmals gestellt bekommt. Aus diesem Grund versuche ich hier noch einmal etwas genauer zu erklären, was mit «Super!» gemeint ist.

Die «Extended-Version» meiner Antwort auf die Frage lautet also: Die Eurobest Jury-Erfahrung war deshalb super, weil …

… man mit anderen Top-Kreativen aus ganz Europa zusammenkommt. Meine Jury-Kolleginnen und -Kollegen stammten z. B. aus Frankreich, Holland, Schweden, Belgien, Deutschland und 2x England.

… man die Chance hat, mit anderen Top-Kreativen drei volle Tage lang über kreative Arbeiten zu diskutieren. Das Spannende sind dabei die unterschiedlichen Perspektiven und Standpunkte der einzelnen Personen. 

… man innerhalb von kurzer Zeit sehr viele kreative Arbeiten aus unterschiedlichen Ländern sieht und bewerten muss. Sehr viele bedeutet in diesem Fall einige hundert. 

… man viel darüber lernt, warum eine Arbeit einen Award gewinnt – oder eben nicht. Dabei spielt neben der kreativen Idee und der Exekution auch die Kategorie, in der eingereicht wurde, eine wichtige Rolle (Stichwort «Kategorie-Fit»).

… man neben jeder Menge Inspiration auch den grossen Ansporn mit nach Hause nimmt, selbst kreativere und bessere Arbeiten zu produzieren.

Wie gewinnt man eigentlich einen Award?

Eine weitere Frage, die ich seitdem häufiger gehört habe, ist, ob es irgendwelche Tipps gibt, die die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass man einen Award gewinnt. Dazu lässt sich folgendes sagen: 

Ein einfacher und zugleich effektiver Tipp ist, dass man seine Arbeit in der richtigen Kategorie einreicht. Eigentlich sollte das selbstverständlich sein, in der Praxis ist es das allerdings nicht. Wir hatten bei uns das konkrete Beispiel einer sehr guten Arbeit, die schlichtweg deshalb nicht höher ausgezeichnet wurde, weil sie in einer falschen Kategorie eingereicht worden war (der Veranstalter hatte die einreichende Agentur im Vorfeld übrigens auf den mangelnden «Kategorie-Fit» hingewiesen). Es macht also durchaus Sinn, sich die Kategorie-Beschriebe genau durchzulesen und im Zweifel den zuständigen Award-Manager des Festivals zu kontaktieren.

Auch ist es ratsam, dieselbe Arbeit nicht zu oft einzureichen. Bei uns gab es Arbeiten, die mehr als zehn Mal in unterschiedlichen Subkategorien eingereicht wurden – nach dem Motto «viel hilft viel». Der Effekt ist allerdings eher gegenteilig: Das häufige Einreichen einer mittelmässigen Arbeit macht diese nicht besser, sondern führt dazu, dass die Jury von dem Case genervt wird. 

Apropos Jury: Es ist hilfreich, sich beim Aufbereiten der eigenen Cases stets vor Augen führen, dass Juroren auch nur Menschen sind – und Jurieren ziemlich anstrengend. Die eigene Case-Study sollte also möglichst einfach und einprägsam sein. Schliesslich werden Aufmerksamkeit und Geduld der Jury-Mitglieder mit zunehmender Jurierungsdauer stark beansprucht. Aus diesem Grund sollte man auch das Präsentationsboard («Pappe» bzw. jpg) nicht vernachlässigen. Dieses wird während der Diskussion an die Wand gebeamt, ist also wesentlich länger präsent als ein Casefilm.

Neben dem richtigen Einreichen und der optimalen Aufbereitung eines Cases gehört zum Gewinnen natürlich auch immer ein bisschen Glück dazu. Vielleicht hat ein Case einen starken Fürsprecher in der Jury, vielleicht einen starken Gegner. Vielleicht wird er gerade im richtigen Moment diskutiert. Das Allerwichtigste – quasi die Grundbedingung für jeden Erfolg – ist jedoch die Qualität der eingereichten Arbeit. Wenn diese nicht stimmt, hilft auch alles andere nicht. 

Der wichtigste Tipp ist also keineswegs neu und hat trotzdem über die Jahre nichts von seiner Aktualität eingebüsst: Hervorragende Arbeiten setzen sich durch! Denn – und das war während der Zeit in der Eurobest Jury schön zu beobachten – was nach wie vor honoriert wird, sind besonders kreative Ideen und exzellente Exekutionen.

von Sören Schröder – 

12. Dezember 2017

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