Digitale Clones – der (Alb-) Traum des Doppelgängers ist Realität geworden.

Die Idee des Doppelgängers ist so alt wie die Menschheit selbst. Und zugleich willkommen wie auch verstörend. In hektischen Zeiten wünschen wir uns, mit der Hilfe eines Doppelgängers an mehreren Orten gleichzeitig zu sein. Und in unseren Albträumen macht ein solcher an unserer Stelle und in unserem Namen Dinge, die wir gar nicht wollen. Beide Visionen sind dank der fortschreitenden Digitalisierung heute absolut vorstellbar. Welche digitalen Klon-Formen es bereits gibt und wie sie sich unterscheiden, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Digitale Clones – der (Alb-) Traum des Doppelgängers ist Realität geworden.

Sandi MacPherson, ihres Zeichens Programmiererin im Silicon Valley, hat sich vor einiger Zeit selbst geklont. Zumindest ihre digitale Identität. Ein «Me-Bot» namens SandiMacBot kommuniziert seitdem ohne ihr eigenes Zutun über den Facebook Messenger – in der Geschwindigkeit eines Computers und dabei ganz im Sinne von Sandi. Denn ob mit Freunden, Bekannten oder Fremden – Sandis digitales Double chattet mit allen entsprechend der Vorlieben und Muster ihres digitalen Originals. Der Bot speist sich nämlich aus den Informationen und Interaktionen von Sandis Facebook Profil. So weiss er etwa, was sie zuletzt gemacht hat, welche Coffee Shops Sandi kürzlich besucht und geliked oder was sie Freitag Abend unternommen hat. Aber auch, welche Bücher sie gelesen, auf welche Schule sie ging oder was sie zuletzt gekauft hat, und kann in den Unterhaltungen entsprechend Bezug darauf nehmen.

In Sandi MacPhersons Fall sprechen wir von digitalem Expertise-Cloning. Hier wird eine Erkenntnisfunktion mitsamt ihrer digitalen Datenquelle und dem Ausgabemodus gedoppelt.

Ein solcher digitaler Klon ist aber nicht nur als Chatbot denkbar. Die Anwendungsmöglichkeiten gehen weit darüber hinaus. Man könnte digitale Clones1 zukünftig einsetzen, um die eigene Arbeitseffizienz zu steigern. Etwa in der Form eines übermenschlichen Assistenten, der Emails im eigenen Sinne und Maschinengeschwindigkeit  beantwortet und einem einen Augenblick später eine Zusammenfassung des Erledigten liefert. Oder eine Anwendung, die das Web in real-time zu einem bestimmten Recherchenthema durchforstet – und einem wenige Sekunden später eine Auswertung anbietet.

Digital Twin – digitale Spiegelung eines realen Systems

Nicht zu verwechseln ist der Digitale Klon mit dem digitalen Zwilling.  Ein solcher hat vor allem im Internet of Things-Kontext Relevanz. Und bezeichnet die digitale Spiegelung von einem realen Gebilde, System oder Prozess. 

Beide, der digitale sowohl als auch der reale Zwilling, stehen dabei in permanentem Austausch. Digitales Twinning findet deshalb vor allem in der Produktentwicklung oder in der Automatisierungsindustrie Anklang: Die digitalen Kopien der realen Systeme oder Prozesse können während der Entwicklung nach Belieben getestet, modifiziert und optimiert werden. Beobachtungen und Sensordaten aus dem laufenden Betrieb fliessen dabei in Echtzeit in das digitale Modell zurück und können zur permanenten Optimierung und für laufende Updates genutzt werden. Unternehmen sind dank digitalem Twinning in der Lage, etwaige Produktfehler in der Entwicklungsphase früher zu erkennen – und ihre Anlagen und Bauteile selbst nach der Auslieferung zu kontrollieren.

Neben der Anwendung im Bereich des Internet of Things reift ein weiteres Potential heran: 
Ergänzt um KI-basierte Fähigkeiten, können digitale Entsprechungen für nahezu jeden Aspekt unserer Welt geschaffen werden. In Zukunft sind auch Abbilder von Menschen möglich, die vielfältige Simulationen erlauben. Und somit für eine Vielzahl von Bereichen interessant sein könnten – etwa in der medizinischen Forschung, für Stadtplaner oder Marketers.

Nichtsdestotrotz: Bei digitalen Twins, ob menschlicher oder systemischer Natur, handelt sich lediglich um virtuelle Abbilder. Sie sind nicht physisch vorhanden – im Gegensatz zu Clone Robots.

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Clone Robot – KI mit einem Körper, der so aussieht wie unserer 

Noch einen Schritt weiter geht das Konzept der Clone Robots. Diese Robotervarianten besitzen neben sehr ausgefeilten AI-Algorithmen nicht einfach nur einen Roboterkörper, sondern ein fast schon beängstigend menschliches Aussehen, das natürlich auch an das eigene angepasst werden kann – so wie es viele Roboterentwickler gerne machen.

Besonders «menschliche» Exemplare baut Hanson Robotics in Hong Kong. Ihr international bekanntestes Beispiel ist Sophia, ein humanoider Roboter, der gemäss Herstellerangaben künstliche Intelligenz sowie die Fähigkeit zu visueller Datenverarbeitung und zur Gesichtserkennung besitzt. Sophia kann zudem typisch menschliche Mimik und Gestik imitieren, Augenkontakt mit Menschen aufnehmen und sich an Personen und die Interaktionen mit ihnen erinnern, zu einem späteren Zeitpunkt sogar darauf aufbauen. 

Aufgrund ihrer sozialen Kompetenzen ist Sophia eine Art Robot Superstar – mit eigenen Social Media-Kanälen und vollem Terminkalender. Denn Sophia ist gefragte Interview-Partnerin, Showgast und erfahrenes Cover-Model. Jüngst bekam sie, als erster Roboter weltweit, die saudiarabische Staatsbürgerschaft verliehen.

www.youtube.com
Tonight Showbotics: Jimmy Meets Sophia the Human-Like Robot

Quelle: 
1 https://www.technewsworld.com/story/80971.html

von Willem van der Touw, MSc. , Ulrike Schumann – 

29. März 2018

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