The Uncanny Valley.

Das unheimliche Tal zwischen Abstraktheit und vollkommener Genialität. Wenn das Gefühl entsteht, dass etwas nicht ganz stimmt und somit eine Akzeptanzlücke daraus resultiert.

The Uncanny Valley.

Jährlich werden an der weltweit grössten IT-Messe CeBIT in Hannover die neusten Entwicklungen auf dem Gebiet der Digitalisierung und Innovation vorgestellt. Im Fokus der Ausstellung liegt unumstritten das Thema der Künstlichen Intelligenz (KI). In diesem Zusammenhang wird auch ein spezielles Augenmerk auf extrem menschenähnliche Automaten gelegt1. Die Reaktion des Publikums ist jedoch sehr zurückhaltend und skeptisch. Vor allem im Vergleich zu den Reaktionen auf Staubsaugerroboter - diese werden aufgrund ihrer Abstraktheit sogar als niedlich wahrgenommen2.

Das unheimliche Gefühl3

Im Jahr 1970 war der japanische Robotikprofessor Masahiro Mori Teil eines Forschungsexperimentes, bei dem es darum ging, herauszufinden, wie künstliche Körperteile aussehen müssten, damit sie vom Menschen akzeptiert werden. Er hat dabei festgestellt, dass auch wenn eine Handprothese noch so realistisch nachgebaut wird, das Menschliche Gehirn nicht einschätzen kann, ob es sich dabei um eine Gefahr handelt oder nicht. Das unheimliche Gefühl dazwischen also. Dieses Phänomen wurde von Mori als «the uncanny Valley» beschrieben. 

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Quelle: World Economic Forum / Darstellung des Uncanny-Valley-Effekts mit Einordnung verschiedener Objekte und Kreaturen.

Das Prinzip des «The Uncanny Valleys» oder zu deutsch «das unheimliche Tal», lässt sich vereinfacht anhand der menschlichen Reaktionen auf die Roboter erklären. Je menschlichere Charakterzüge die Roboter aufzeigen, desto sympathischer nehmen wir sie wahr. Ab dem Punkt, wo die Roboter aber fast wie echte Menschen aussehen, sich aber nicht genau wie solche verhalten, erleiden wir einen emotionalen Einbruch. Wir finden das «Wesen» bzw. Objekt unheimlich. Die Grenzen zwischen Leblosigkeit und Lebendigkeit verschmelzen sich in diesem Abschnitt. Mensch und Roboter sehen sich fast zum Verwechseln ähnlich, aber etwas scheint trotzdem nicht ganz zu stimmen. 

Die oben abgebildete Grafik von Mori veranschaulicht dieses Prinzip. Die Achsenbeschriftungen der Grafik zeigen, dass zwischen der Vertraulichkeit zu einem Objekt und dessen Menschlichkeit eine klare Beziehung besteht. Wie auf den ersten Blick ersichtlich ist, verhält sich diese jedoch nicht stetig linear, sondern erleidet aufgrund des besagten Phänomens einen starken Einbruch. 

Wenn man auf die Beispiele der Grafik eingeht bedeutet dies, dass ein industrieller Roboter, welcher so gut wie keine menschlichen Charakterzüge aufweist, von den Menschen auch nicht als besonders vertraut wahrgenommen wird. Anders ist dies bei humanoid Robotern. Sie werden vertrauter wahrgenommen, weil sie mit menschlichen Charakterzügen ausgestattet sind, sich aber visuell stets vom Menschen unterscheiden. Sobald das Äussere der Roboter menschenähnlich aussieht, befinden wir uns im Uncanny Valley. Das Wesen bzw. der Roboter scheint wie eine menschliche Simulation, die jedoch nicht vollkommen perfekt ist und somit Menschen mehrheitlich beängstigt. 

Um das Uncanny Valley zu durchbrechen müssen also perfekte Imitationen des Menschen erstellt werden, die keine Zweifel mehr hervorrufen. Mimik und Gestik sowie sämtliche weitere menschlichen Attributen und deren Äusseres müssen 1 : 1 übereinstimmen. 

Die Auswirkungen des beschriebenen Phänomens betreffen auch die Roboter- sowie Filmindustrie. Um den Erfolg ihrer Werke zu fördern, haben sie einerseits die Möglichkeit, die Figuren mit menschlichen Charakteren auszustatten, jedoch bewusst ohne eine visuelle Ähnlichkeit herzustellen. Andernfalls müssen sie versuchen das Uncanny Valley zu durchbrechen und die Figuren perfekt zu imitieren, was jedoch eine grosse Herausforderung darstellt2.

Repliee Q2.

Der Repliee Q2 Roboter ist die upgedatete Version seines Vorgängermodells, dem Repliee Q1 und zählt somit zu den ersten menschenähnlichen Robotern, sprich Androiden. Repliee Q2 wurde zum ersten Mal an der World Expo 2005 in Aichi vorgestellt.  Das Äussere des Roboters zeigt eine ca. 35-jährig asiatische Frau.  Sie sitzt auf einem Stuhl, weil sie die Beine nicht bewegen kann. Ihren Oberkörper hingegen ist beweglich. Um besonders menschlich zu wirken, bewegen sich ihre Augenlider und der Brustkorb hebt und senkt sich, um die Atmung zu simulieren. Damit die Wahrnehmung beim Menschen verbessert wird, bewegt sich sogar während dem Sprechen, das über Mikrophone erfolgt, der Körper. Hiroshi Ishiguro, ein japanischer Robotiker und der Entwickler von Repliee Q2, ist der Meinung, dass zukünftig Menschen und Androiden nebeneinander existieren sollen4

Ishiguro hat neustens ein Geminoid-Roboter geschaffen, sprich ein Doppelgänger-Android von sich selbst. Bei der diesjährigen internationalen Konferenz «Robophlosophy» in Wien verkündete er sogar, dass sein Doppelgänger nicht mehr vom Uncanny-Valley-Effekt betroffen sei und daher ein Paradebeispiel dafür ist5

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Quelle: oncuba magazine / Hiroshi Ishiguro und sein Doppelgänger-Android.

Sophia.

In unserem vorherigen Blog-Beitrag mit dem Titel «Digitale Clones – der (Alb-) Traum des Doppelgängers ist Realität geworden » haben wir bereits Sophia vorgestellt. Sie ist Hanson Robotics neustes und am besten entwickeltes Exemplar der humanoiden Roboter. 

David Hanson, der Robotik-Wissenschaftler und Designer von Sophia setzt alles daran, seine Roboter so menschenähnlich wie möglich zu gestalten, um die Ängste von Robotern, künstlicher Intelligenz und der Automatisierung bei den Menschen weitgehend abzubauen6. Sophia wurde in Hong Kong an der RISE 2017 Technologiekonferenz vorgestellt. Der South China Morning Post zufolge, sollen die Teilnehmer der Konferenz völlig unerschrocken auf den humanoiden Roboter reagiert haben7.  Diese Tatsache zeigt, wie weit die Wissenschaft und Technologie fortgeschritten sind, sodass wir das weitere Geschehen gespannt mitverfolgen können.  

 

Quellen:
1 https://www.cebit.de
2 https://de.wikipedia.org/wiki/Uncanny_Valley
3 Buch «Was sollen wir von KI halten?»
4 http://www.zeit.de
http://www.informationsethik.net
6 https://www.voanews.com
7 https://www.scmp.com

von Willem van der Touw, MSc. , Cellina Pécourt – 

19. April 2018

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