Die Wirtschaftswelt der Zukunft.

Wie sieht die (Arbeits-) Welt unserer Kinder aus? Der ehemalige Senior-Berater Hillary Clintons, Alec Ross, zeigt welche Trends die Welt in den nächsten zehn Jahren nachhaltig beeinflussen werden. Dabei muss uns eines ganz klar sein: Die Geschwindigkeit, mit der technologische Innovationen unser Leben buchstäblich umkrempeln, wird immer weiter zunehmen.

Die Wirtschaftswelt der Zukunft.
Quelle: medium.com

Einen spannenden Überblick über die technologischen Innovationen und deren Auswirkungen auf unser Leben gibt uns das Buch «die Wirtschaftswelt der Zukunft» verfasst von Alec Ross. Sein Buch ist ein Plädoyer für Offenheit und Mut angesichts rascher technologischer Umwälzungen, die immer mehr Menschen vor allem als bedrohlich empfinden. Der Autor zählt zu den führenden Innovationsexperten und war vier Jahre lang Hillary Clintons Chef-Innovationsberater. Dieser Posten wurde sogar eigens für ihn nach Clintons Amtseintritt geschaffen. Im Zuge dessen bereiste er über 40 Länder und sprach mit zahlreichen Wissenschaftlern, Unternehmensführern, und Politikern weltweit. 

Die Branchen der Zukunft

Die Kapitel sind um die künftigen Schlüsselbranchen herum aufgebaut – Robotik, Biowissenschaften, Digitalisierung von Geld, Cybersecurity und Big Data. Kapitel eins und zwei geht der Frage nach, wie Durchbrüche in der Robotik und den Biowissenschaften die Art und Weise verändern, wie wir arbeiten und leben. Soviel vorweg: Die Folgen für unseren Lebenserwerb und unser Leben werden gewaltig sein, aber ungleichmässig verteilt. 

Die Maschinensprache breitet sich immer stärker in neue Bereiche der Wirtschaft aus, sowohl in der virtuellen Welt als auch in der Realen. Kapitel drei und vier untersucht, inwieweit diese Entwicklung zwei Bereiche umwandeln wird, die traditionell Staatsmonopole sind – Geld und Gewaltausübung. Welche Expansion Big Data möglich machen wird und welche Einschränkungen geopolitische Erwägungen dem Weltmarkt auferlegt werden, untersucht Ross in Kapitel fünf und sechs. 

Die Branchen der Zukunft werden innerhalb der aktuellen geopolitischen Strukturen entstehen und sie werden diese grundlegend verändern. Im 20. Jahrhundert verlief, was politische Systeme und die Märkte anbelangt, der zentrale Graben zwischen links und rechts. Im 21. Jahrhundert wird der zentrale Graben derjenige zwischen offenen politischen und Wirtschaftsmodellen mit geschlossenen Systemen sein. In den letzten beiden Kapiteln wird untersucht, welche Märkte künftig nachhaltiges Wachstum und dauerhafte Innovationen liefern werden und wie Führungskräfte aus der Wirtschaft fundiert entscheiden können, wo und wie sie Zeit und Ressourcen investieren sollten.

Seite an Seite mit Robotern

Während Roboter immer stärker unsere Welt bevölkern, wird die Weltwirtschaft eine Revolution durchlaufen, die von Künstlicher Intelligenz und Maschinellem Lernen befeuert wird. Am Beispiel von Japan macht Alec Ross auf den Nutzen von Robotern im Alltag aufmerksam. Dortzulande geht die Geburtsrate von Jahr zu Jahr stetig zurück, der prozentuale Anteil der Senioren steigt hingegen drastisch. Dies hat unteranderem zur Folge, dass die Betreuung der Senioren nicht mehr durch deren Nachkommen stattfindet, da diese schlichtweg nicht mehr existieren. Unternehmen wie Toyota und Honda haben diese Problematik erkannt und investieren zurzeit intensiv in die Forschung von Pflegeroboter. Beide Unternehmen haben bereits erste Versionen derartiger Roboter entwickelt. Das bekannteste Modell stammt aus dem Hause Honda und trägt den Namen «Asimo». (siehe Blogbeitrag «Smarte Maschinen ») 

Die grosse Herausforderung auf diesem Gebiet stellt jedoch die emotionale Verbindung dar. Vor allem Senioren fehlt es oft an Gesellschaftlichkeit und würden eine solche Verbindung sehr schätzen. Hier ist spannend zu beobachten, wie sich die Kulturen im Hinblick auf den Umgang und der Akzeptanz gegenüber den Robotern unterscheiden. 80% der japanischen Bevölkerung praktiziert Shintoismus, eine Naturreligion welche fast ausschliesslich in Japan praktiziert wird. Der Shintoismus spricht nicht nur Menschen eine göttliche Seele zu, sondern eben auch Tieren und Gegenständen. Wohl auch deshalb zögern Japaner nicht, Maschinen zu bauen, die immer menschenähnlicher werden. Vergleichsweise herrscht in Europa oder den USA Unbehagen, Misstrauen oder gar Angst. (siehe Blogbeitrag «The Uncanny Valley »)

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Der Einzug des Maschinencodes

Der Einzug des Maschinencodes in die Welt des Handels hat zur Folge, dass sich Menschen in aller Welt neue Möglichkeiten eröffnen, Geld zu empfangen, zu verwalten, auszugeben oder zu überweisen. Am Beispiel vom bargeldlosen Geldverkehr per Handy-Apps veranschaulicht Ross die grossen Veränderungen in Bezug auf die Digitalisierung von Geld. In unterentwickelten Teilen Afrikas, im Raum Kongo, hat das Aufkommen mobiler Bezahlmöglichkeiten dafür gesorgt, dass die Bevölkerung die Handys hauptsächlich für gegenseitige Geldtransaktionen nutzt und viel weniger für die eigentliche Telefonie. Ein weiterer Vorteil bietet auch die passwortgesicherte Aufbewahrung des Geldes, da oftmals über kein Bankkonto verfügt wird.

Die «Sharing Economy», sprich Plattformen, welche nur als «Vermittler» agieren und Nutzer sich gegenseitig Dinge anbieten können, soll in Zukunft gang und gäbe sein. Unternehmen wie Uber und Airbnb geben hierbei die Stossrichtung an und zeigen auf, welche Möglichkeiten bereits bestehen. Die Digitalisierung von Märkten bietet demzufolge auch für Länder, welche von den bisherigen Fortschritten ausgeschlossen waren ein grosses Potential. 

Ein solches Ausmass an Digitalisierung bringt aber auch Schattenseiten mit sich. Die Nutzung von Maschinensprache als Waffe war einst eine kleine IT-Funktion, die nur eine Nebenrolle spielte. Heute jedoch ist sie eine der am schnellsten wachsenden Branchen der Welt und noch dazu eine mit dem grössten disruptiven Potenzial. Diese Entwicklungen können neue Möglichkeiten mit sich bringen, gleichzeitig geben sie jedoch auch den Bösewichten dieser Welt mehr Mittel an die Hand. Dies beleuchtet Ross mittels Schilderungen aus Gesprächen mit Leuten, wie beispielsweise Jim Gosler, der sogenannte Cyberguru der CIA. Gosler macht darauf aufmerksam, dass alleine durch die Nutzung des Internets der Dinge (IoT) Privathaushalte enormen Hackerangriffen ausgesetzt sind. Viel beunruhigender ist jedoch die Tatsache, dass durch Cyberangriffe Anschläge auf Kraftwerke oder Flugverkehrskontroll-Systeme stattfinden können, die noch schlimmere Auswirkungen auf die Gesellschaft hätten. Auch James R. Clapper, Direktor des Nationalen Geheimdienstes der USA, stützt diese Aussage. Er geht noch weiter und sagt, dass Cyberangriffe langfristig die nationale Sicherheit stärker bedrohen werden als der Terrorismus. 

Spätestens jetzt sollte uns allen klar sein, dass der Cyberkrieg die Art des Konflikts ist, die unumstritten zum 21. Jahrhundert gehört und die wichtigste Entwicklung in der Geschichte der Kriegsführung seit den atomaren Waffen darstellt. Das verheerendste am Cyberkrieg ist, dass jedermann, der dazu gewillt ist, mit etwas Anstrengung bereits schnell Fähigkeiten im Cyberspace entwickeln kann. Dafür wird lediglich ein Computer, eine Internetverbindung und ein Mass an Programmierfähigkeit benötigt. Dass die Folgen fatal sein können, liegt somit auf der Hand. 


Daten: Rohstoff des Informationszeitalters

Während der Agrarrevolution war Land die wichtigste Ressource, während der industriellen Revolution war es dann Eisen. Im Informationszeitalter sind Daten der zentrale Rohstoff. Das Internet gleicht einem Meer an wild vermischten, chaotischen Informationen. Heute gibt es aber einen Weg, diese Informationen miteinander zu verknüpfen und umsetzbare wirtschaftliche Erkenntnisse daraus zu ziehen. Big Data war zunächst ein Werkzeug welches vor allem für personalisierte Werbung genutzt wurde. Heute wird ein Instrument daraus, dass zahlreichen Branchen weitreichende Anwendungsmöglichkeiten bietet und das geeignet ist, chronische soziale Probleme zu lösen.


Die Märkte der Zukunft

Welche Märkte liefern künftig nachhaltiges Wachstum und dauerhafte Innovationen? Ein Thema, welches uns durch das gesamte Buch begleitet, ist die Wettbewerbsfähigkeit und was es bedeutet voranzukommen. Unter den innovativsten Nationen und Unternehmen zeichnet sich ein kultureller Konsens ab, in der Frage was es erfordert, die zentralen Ressource zu stärken, über die wir verfügen. Kein anderer Faktor spricht so stark für den Innovationsstand einer Gesellschaft wie der Status der Frauen. Um seine Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern, kann ein Land oder ein Unternehmen nichts Wichtigeres tun, als Frauen vollständig zu integrieren und wirtschaftlich und politisch zu ermächtigen. Wenn sich die Politik fragt, wie sie ihre Gesellschaft für die Märkte der Zukunft rüsten kann, muss sie Offenheit an den Tag legen und ihr negatives kulturelles Erbe abschütteln. In geschlossenen Systemen findet keine Innovation statt und innovative Unternehmen werden einen weiten Bogen um Länder machen, die in Sachen Gleichberechtigung einen rückständigen Kurs verfolgen.

 

Quellen:
Buch: Die Wirtschaftwelt der Zukunft. 2017, Alec Ross, Plassen Verlag
www.handelsblatt.com
www.srf.ch

von Willem van der Touw, MSc. , Cellina Pécourt – 

19. November 2018

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