Die 12 technologischen Kräfte verstehen, die unsere Zukunft formen.

Kevin Kelly, Mitbegründer des Wired Magazin, benennt in seinem Buch «The Inevitable – Understanding The 12 Technological Forces That Will Shape Our Future» unvermeidbare Trends und wie sich die Welt, primär durch die Digitalisierung, verändern wird. Ein Beitrag für Jeden, der regelmässig Handy, Google, Facebook oder Youtube nutzt und schon immer wissen wollte, wie die Entwicklung weitergeht.

Die 12 technologischen Kräfte verstehen, die unsere Zukunft formen.

«The Inevitable: Understanding the 12 Technological Forces That Will Shape Our Future»

Wie sieht eigentlich die Zukunft aus? So, wie sie Kevin Kelly in seinem Buch «The Inevitable: Understanding the 12 Technological Forces That Will Shape Our Future» beschreibt? Zumindest mit Blick auf die Technologie und unser Leben damit. Kelly beschreibt 12 unausweichliche Trends, die unsere Zukunft formen: vom Zugriff auf Daten, über das Teilen, Filtern bis zum Integrieren. Mit spannenden Beispielen schildert er, wie sich die Welt ändern wird und welchen Teil wir selbst in dieser Technologie einnehmen.

Im Buch werden jedoch nicht die technischen Details der Technologien thematisiert, sondern die Auswirkungen in der Gesellschaft und mögliche ideologische Konsequenzen werden dargelegt. Der Autor hilft, Entwicklungen der Gegenwart zu erkennen, zu interpretieren und zu verstehen:  

  1. Becoming: Moving from fixed products to always upgrading services and subscriptions
  2. Cognifying: Making everything much smarter using cheap powerful AI that we get from the cloud
  3. Flowing: Depending on unstoppable streams in real-time for everything
  4. Screening: Turning all surfaces into screens
  5. Accessing: Shifting society from one where we own assets, to one where instead we will have access to services at all times
  6. Sharing: Collaboration at mass-scale.
  7. Filtering: Harnessing intense personalization in order to anticipate our desires
  8. Remixing: Unbundling existing products into their most primitive parts and then recombining in all possible ways
  9. Interacting: Immersing ourselves inside our computers to maximize their engagement
  10. Tracking: Employing total surveillance for the benefit of citizens and consumers
  11. Questioning: Promoting good questions is far more valuable than good answers
  12. Beginning: Constructing a planetary system connecting all humans and machines into a global matrix

Zusammenfassend lässt sich sagen, Kelly beschreibt Transformation, Dynamisierung und Potenzierung in einem bislang unbekannten Ausmass. Einige Trends von Kelly möchten wir uns in diesem Beitrag etwas detaillierter anschauen.

Cognifying

Das zweite Kapitel im Buch beschäftigt sich mit dem Phänomen, dass wir zunehmend daran sind, Dingen eine künstliche Intelligenz zu verpassen. Ein Beispiel dafür: Dank verschiedenen Übersetzungs-Apps können sich deutschsprachige Touristen bestens mit einheimischen Chinesen an der Chinesischen Mauer unterhalten. Das Auto hat uns gelernt mündlich mitzuteilen wie wir fahren müssen. Firmen arbeiten fieberhaft an Verpackungen für Esswaren mit einem Chip, sodass die Ware weiss was sie kostet und was ihre Eigenschaften sind. Die neuartigen RFID-Smart Chips zur Artikelinformation bieten mehr als der jetzige Strichcode. RFID-Chips im Detailhandel verbessern etwa das Lagermanagement: Lebensmittel „kommunizieren“ ihren Preis, Anlieferungszeitpunkt, ihr Gewicht und das Mindesthaltbarkeitsdatum. Da die Daten kontaktlos übertragen werden, hat das Personal stets Zugriff auf eine aktuelle Dokumentation.

Seit Jahren geistern sprechende Kühlschränke, Waschmaschinen, Kochherde und sprechendes Spielzeug usw. in der technischen Literatur umher. Diese Tendenz wird mit der Nanotechnologie verstärkt fortgesetzt.

Flowing

Die Tatsache, dass eine beliebige Person heute praktisch gratis und ohne grossen Aufwand innert kürzester Zeit Millionen andere Erdbürger verstreut über den ganzen Erdball erreichen kann, hievt das Internet auf die Stufe der grossen Errungenschaften der Menschheit, wie das Rad oder die Schrift. Auch ist das Internet die grösste Kopiermaschine der Welt. Kopien von Produkten (Lieder, Bücher, Software, Informationen) fliessen im Original oder mehr oder weniger abgeändert durchs Internet. Noch wie war es so einfach zu kopieren und zu ändern (siehe Artikel: Was sollen wir von Künstlicher Intelligenz halten? ).

Screening

Die ersten menschlichen Kulturen basierten auf dem gesprochenem Wort. Diese Kultur wurde durch die Kultur vom geschriebenen Wort abgelöst. Nun sind wir bereits «people of the screen». Wir neigen dazu Bücher zu ignorieren. Schliesslich gibt es Google, Wikipedia usw. alles auf dem Bildschirm. In naher Zukunft könnte der Spiegel im Badezimmer ein Bildschirm sein, der meinen Herzschlag misst, die Farbe meiner Haut analysiert und tägliche Vorschläge für Fitnessübungen und Ernährung gibt. Eine Weiterentwicklung der bereits bestehenden «Smart Mirrors».

Accessing

Das Eigentum der Zukunft besteht nicht aus materiellen Gütern, sondern als immateriellen Dingen. Die grösste Taxifirma dieser Welt: Uber, besitzt keine eigenen Autos, die wertvollsten Retailer (Amazon, Alibaba) haben kein Iventar und Facebook der populärste Medien Besitzer erzeugt selbst keinen Inhalt. Besitz verliert an Bedeutung. Heute geht es darum Zugriff zu haben. Es ist als hätten wir dauernd Zugriff auf das grösste Miet- und Leasinggeschäft der Welt. Sogar Kleider und Accessoires werden zunehmend gemietet anstatt gekauft.

Sharing

Unsere Bereitschaft heutzutage etwas aus unserem Leben zu teilen ist fast grenzenlos. Die Anzahl persönlicher Fotos welche auf den verschiedenen Plattformen wie Facebook, Instagram Flickr etc. täglich gepostet werden geht in die 1.8 Milliarden pro Tag. 2001 wurde die P2P-Sharing-Plattform Napster nach Intervention der Musikindustrie vom Netz genommen. Jetzt wird Sharing von den Riesen Apple und Amazon kommerziell betrieben.

Filtering

Wir leben in einer Zeit des Überflusses. Material, Informationen und Soziale Medien stehen uns im Überfluss zur Verfügung. Jedoch leidet unsere Aufmerksamkeitsspanne darunter. Heutzutage begegnen wir Informationen, indem wir sie filtern. Eine bekannte Persönlichkeit sagt einst: «Wenn du mir eine E-Mail schickst, sage gleichzeitig wieviel zu bezahlst, damit ich sie lese. Je bekannter du bist, desto weniger musst du bezahlen.» Kevin Kelly schlägt hier die gleiche Richtung wie IT Experte Jaron Lanier in seinem Buch «Wem gehört die Zukunft?» ein. Teilnehmer des Internets sollten einen Nanobetrag für ihre Klicks erhalten.

Selbst wenden wir in der Regel jedoch nicht solche rabiate Methoden an, sondern filtern die Inhalte anhand der Titel und Bilder. Firmen versuchen unseren Filter durch Personalisierung zu passieren. Vielleicht kann in naher Zukunft ein Avatar konsultiert werden, der unsere Vorlieben und Bedürfnisse kennt. Der Avatar ist ein Klon von uns und ist immer auf dem neusten Stand unserer Vorlieben. (siehe Artikel: Digital Clones ).

Remixing

Fortschritt entsteht meistens durch kombinieren und permutieren von bestehenden Technologien. Das Fahrrad ist ein Mix aus einem Handwagen, ebenso wie das Auto von der Kutsche. Eine Quad Drohne ist ein Mix aus einem Helikopter und der wiederum von einem Tragschrauber. Somit ist es kein Wunder, dass Forscher immer auf den Schultern ihrer Kollegen aus der Vergangenheit stehen und ihre Forschungen weiterentwickeln. Somit sind auch die neusten Technologien simpel formuliert nur eine Kombination von älteren Technologien. Die gesamte digitale Welt ist ein Resultat dieses Remixing. Wissen, Techniken und Technologien aller Zeiten verbinden sich und potenzieren sich zu neuen Möglichkeiten.

Tracking

Mit dem Trend Tracking beschreibt Kelly ein von vielen Kritikern der allgegenwärtigen Digitalisierung als problematisch gesehenes Thema. Das Stichwort hier ist der «Gläserne Mensch». Kelly sieht die Chancen der Vermessung eines Jeden durch Jeden (z.B. im Internet der Dinge, IoT). Eine optimierte Gesundheitsvorsorge, eine bessere Selbsterkenntnis oder aber eine Erweiterung der sinnlichen Möglichkeiten der Menschen. Die gegenseitige Überwachung sieht er nicht als Bedrohung sondern als «natural state». Eine Gesellschaft muss seiner Meinung nach transparent sein, weil Anonymität jedes soziale System zerstört. Heutzutage nimmt die digitale Anonymität zu, während die reale Anonymität immer schwieriger wird.

Questioning

Eine grosse Herausforderung ist die Frage, wie wir mit der unendlichen Menge Wissen umgehen, die täglich generiert wird. Wenn wir das ständige potenzierende Wissen nutzen wollen, müssen wir neue Fähigkeiten entwickeln damit umzugehen. Schliesslich erwarten wir auf alles eine Antwort. 1964 sagte Pablo Picasso «Computer sind nutzlos, sie geben doch nur Antworten». Je mehr wir wissen, desto mehr realisieren wird, dass wir meist nur eine Tür zu neuen Wissensgebieten aufgestossen haben. Eine gute Frage ist oft mehr wert als eine einfache Antwort.

Quellen: 
http://www.futurebiz.de/
Buch: The Inevitable: Understanding the 12 Technological Forces That Will Shape Our Future von Kevin Kelly

von Willem van der Touw, MSc. , Fabienne Baumgartner – 

30. November 2018

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