Wie aus Materie Bewusstsein entsteht.

Können Menschen Maschinen kreieren, die ein Bewusstsein haben? Eine Voraussetzung ist das Verständnis dafür, wie aus Materie Bewusstsein entsteht. Darüber haben Gerald M. Edelman und Giulio Tononi ein Buch geschrieben. Falls Sie gerade weder Zeit noch Kapazität für die hochkomplexe Lektüre haben, finden Sie hier einen kurzen Überblick.

Wie aus Materie Bewusstsein entsteht.

Voraussetzung 1: Nutzung von integrierten Informationen.

Die Autoren vergleichen menschliche Gehirne mit Computer. Die Systeme unterscheiden sich sowohl in ihrer Konstruktion als auch bei der Speicherungsart von Informationen: Der Festplattenspeicher eines Computers liefert bei Abruf immer das, was gespeichert wurde. Unser Gedächtnis funktioniert anders, weil es ständig seinen Inhalt ändert und Erlebtes in Bezug zueinander setzt.

In diesem Zusammenhang greift die «Integrated Information Theory», die von Giulio Tononi aufgestellt wurde: Bewusstsein entsteht dann, wenn ausreichend «integrierte» Informationen genutzt werden. Dazu nennt er ein Beispiel. Stellen Sie sich einen Bildschirm vor, der abwechselnd hell aufleuchtet und dunkel wird. Diese beiden Zustände können sowohl von einem Menschen als auch von einer Photodiode erkennt werden. Der Unterschied liegt darin, wie viel Information erzeugt wird. Die Photodiode erkennt «hell» und «dunkel». Ein Mensch unterscheidet nicht nur das, sondern kann viele weitere Möglichkeiten erkennen. Zum Beispiel, ob der Bildschirm rot oder grün ist und ob ein Geräusch dazu ertönt.

Während die Photodioden einer Kamera unabhängig voneinander arbeiten, funktioniert das menschliche Gehirn als integriertes System. Darum nimmt es zum Beispiel einen roten Apfel bewusst als Einheit wahr, statt ihn auf die separaten Empfindungen seiner Farbe und seiner Form zu reduzieren.

Voraussetzung 2: Neuronaler Darwinismus.

Die Autoren zeigen auf, dass Bewusstsein und Komplexität eng miteinander verknüpft sind. Dabei unterscheiden sie zwischen primärem Bewusstsein und dem Bewusstsein höherer Ordnung. Über primäres Bewusstsein verfügen alle Tiere mit ähnlicher Hirnstruktur wie wir. Ihre semantischen und symbolischen Fähigkeiten sind aber beschränkt und ihnen fehlt eine echte Sprache. Das wäre eine Voraussetzung für ein Bewusstsein höherer Ordnung. Die zunehmend komplexere Organisation des Gehirns und somit das Entstehen von einem Bewusstsein höherer Ordnung werden von den darwinistischen Prinzipien der Selektion und Anpassung geleitet.

Was das für uns bedeutet.

Edelman und Tononi liefern eine rationale Theorie, welche Voraussetzungen für das Entstehen von Bewusstsein nötig sind. Sie stellen klar, dass es prinzipiell möglich ist, aus Materie Bewusstsein zu schaffen. Vielleicht steht die Wissenschaft diesbezüglich sogar kurz vor dem Durchbruch.

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Zu den Autoren.

Gerald M. Edelman war ein US-amerikanischer Mediziner, Biochemiker und Molekularbiologe, der 1972 mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet wurde. Auch Co-Autor Giulio Tononi hat viel studiert und ist Facharzt für Psychiatrie und Neurowissenschaftler.

Quellen:
Buch: Gehirn und Geist. Wie aus Materie Bewusstsein entsteht. von Gerald M. Edelman und Giulio Tononi, Verlag C.H. Beck München, 2002
Wikipedia

von Willem van der Touw, MSc. , Judith Maurer – 

11. März 2019

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