Wie ein ehemaliges Fischerdorf zum neuen Silicon Valley Chinas mutierte.

Vor 40 Jahren bestand Shenzhen noch aus einer Ansammlung kleiner Fischerdörfer. Inzwischen ist die Stadt zu einer 12-Millionen-Metropole aufgestiegen, in der sich alles um die technologische Zukunft dreht. Unweit von Hongkong gelegen, ist Shenzhen ein Zentrum für Innovation mit weltweiter Ausstrahlung geworden und mitunter China dadurch zur neuen Hightech-Weltmacht.

Wie ein ehemaliges Fischerdorf zum neuen Silicon Valley Chinas mutierte.

Shenzhen

Heute ist Shenzhen eine moderne Metropole mit ca. 12 Millionen Einwohnern. Die Stadt liegt direkt am Perlfluss-Delta und ist somit die erste Stadt auf dem Festland, wenn man von Hongkong die chinesische Grenze übertritt. Sie ist eine von sechs sogenannten «Special Economic Zones» und beherbergt die Hauptsitze einiger der erfolgreichsten chinesischen High-Tech Unternehmen (z. B. Huawei, BYD, Skyworth, Tencent), sowie die vieler internationalen Grosskonzerne. Mit ihrer spektakulären Skyline sowie ultramodernen Infrastruktur und Dienstleistungspalette ist Shenzhen ein vorbildliches Beispiel dafür, wieso China seit Jahrzehnten, die am schnellsten wachsende Wirtschaft weltweit ist.

Chinas Macher in Shenzhen

Huawei ist international der drittgrösste Smartphone-Hersteller und auch bei der 5G-Entwicklung mit dabei an der Weltspitze. Das Firmengelände in Shenzhen ist so gross wie ein eigener Stadtteil, mit Badelandschaft und Sportplätzen für die Mitarbeiter, denen das Unternehmen sogar zu grossen Teilen gehört. Auf dem Firmengelände werden laufend selbstfliegende Drohnen, Lieferdrohnen und autonomes Autofahren getestet – das superschnelle und intelligente 5G-Netz macht‘s möglich. Aber auch der gewöhnliche Alltag ist auf dem Huawei Firmengelände bereits bestens vernetzt. Beispiele aus dem Huawei-Firmen-Showroom: Mülltonnen die melden wenn sie voll sind, ein Kontrollraum für die Stadt wo alle Daten, etwa von der Feuerwehr bis zur Zahl der freien Krankenwagen zusammenlaufen und eine Künstliche Intelligenz die hilft den Verkehr effizienter zu lenken.

Zu den Machern in Shenzhen gehört auch James Zhou. Er hat 2012 die Roboterfirma UBTech  gegründet. Heute zählt die Firma bereits mehr als 1‘000 Mitarbeiter und hat Niederlassungen in Frankreich und Los Angeles. UBTech zählt zu den weltweit führenden Unternehmen für KI- und humanoide Robotik und hat bereits erfolgreich humanoide Roboter für Verbraucher entwickelt. Im Jahr 2018 erzielte UBTech nach der bisher grössten Finanzierungsrunde für ein Unternehmen der Künstlichen Intelligenz einen Wert von 5 Milliarden US-Dollar. Für den Gründer James Zhou ist die Mentalität in Shenzhen auch ein weiterer Grund dafür, wieso diese Metropole und seine Firma so erfolgreich ist. Die Mitarbeiter verbindet eine Leidenschaft für Neues, viele arbeiten oft von morgens um 9 Uhr bis Mitternacht. Diese Faktoren ermöglichen es den Firmen in Shenzhen, Modelle innert eineinhalb bis zwei Monaten zu entwickeln, während das amerikanische Silicon Valley drei bis vier Monate braucht. Ausserdem stehen den Firmen wie UBTech Förderungen zur Verfügung. Stadt und Staat investieren grosszügig in Innovationen und in Chinas Aufstieg zur Hightech-Weltmacht und ziehen somit bis heute immer mehr junge Talente an, die hier ihre Träume verwirklichen möchten.

Die Werkstätten

Das Viertel Huaqiangbei in Shenzhen ist berühmt für seine riesigen Märkte und gilt als bedeutender Elektronikproduktionsstandort. Hier gibt es jedes Zubehör, welches ein Unternehmen oder Tüftler brauchen, um einen Prototypen für ein neues Produkt zu bauen. Um die Entwicklungen und Ideen Aller zu beschleunigen, wurde eine Vielzahl sogenannter „Werkstätten“ gegründet. Die erste solcher Werkstätten war der Chaihuo Maker Space und wurde vom Seeed Studio erstellt und gesponsert. Chaihuo bietet eine offene und kooperative Umgebung für Macher und fördert die feldübergreifende Kommunikation. Chaihuo liefert Ausrüstung für das Prototyping, einschliesslich 3D-Drucker, Laserschneider, elektronische und mechanische Geräte usw. Es organisiert auch Aktivitäten für die Zusammenkunft der Hersteller sowie verschiedene Ebenen von Workshops, in denen die Menschen mehr über technische und allgemeine DIY-Fähigkeiten erfahren. Der Chaihuo Maker Space ist auch der Organisator von Maker Faire Shenzhen, ein Treffen für Macher und Entwickler aus ganz China.

Wer im Chaihuo Maker Space mit seiner Idee aufgenommen wird, bezahlt nicht einmal 200 Schweizer Franken Monatsbeitrag und kann dafür viele teure Maschinen nutzen. Die Entwickler werden beraten und mit Investoren und Marketingexperten zusammengebracht, die Betreiber solcher Macher-Zentren wiederum, sichern sich dann z.B. einige Prozente an den neu entstandenen Start-ups.

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Chaihuo Maker Space / Quelle: rayshobby.net

Die Roboterbegeisterung

Eine der erfolgreichsten Firmen Shenzhens ist Firma DJI. DJI ist Drohnenhersteller und weltweit führend in der Herstellung und Vermarktung von unbemannten Luftfahrzeugen für Verbraucher. Laut der Einzelhandelsberatung NPD beherrscht DJI beispielsweise zwei Drittel des Drohnenmarktes in den USA, gemessen am Umsatz. Um sich die Zukunft und Spitze auf dem Hightech-Markt zu sichern, bemüht sich China und auch einzelne Firmen stark um den Ingenieursnachwuchs. An über 100 Universitäten in China, bereiten sich einmal jährlich verschiedene Teams aus Studenten auf ein ganz spezielles Turnier vor. Roboter kämpfen gegen einander mit kleinen Kugeln, die Sensoren treffen müssen. Sie wurden von Studenten gebaut, die sie wie bei einem Videospiel am Computer lenken. Einige Roboter schiessen aber auch schon ohne Fernsteuerung – ausgestattet mit Künstlicher Intelligenz.

Ein Versprechen für die Zukunft

Während in anderen Ländern Gesichtserkennung, Künstliche Intelligenz und Roboter noch mit Skepsis betrachtet werden, kann es in Shenzhen gar nicht schnell genug vorangehen. Bis 2025, so das Regierungsziel, sollen 70 Prozent der in China genutzten Elektrofahrzeuge, Roboter und Hochtechnologieprodukte auf heimischem Boden hergestellt werden. Und an keinem Ort in China wird dieser Masterplan schon so konsequent verwirklicht wie in Shenzhen.

Quellen:
www.srf.ch
www.ard.de

von Fabienne Baumgartner – 

29. Mai 2019

 – 1 Kommentare

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Kommentare

  1. I say hello

    Kommentiert von laaaaadina am 19.09.2019 09:55:00

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